Gesundheitsfonds
Geschacher um die richtige Diagnose

Mit dem Gesundheitsfonds ist ein neuer Finanzausgleich gestartet. Erstmals erhalten die Krankenkassen zusätzliches Geld für jeden Versicherten, der eine von 80 Krankheiten hat. So gibt es für einen Dialysepatienten 4 500 Euro im Jahr. Das Geld fließt allerdings nur, wenn der behandelnde Arzt die Diagnose richtig codiert. Schlampig gestellte Diagnosen kosten die Kassen bares Geld.

BERLIN. Vor allem die Ortskrankenkassen scheinen dies erkannt zu haben. Einige von ihnen zahlen den Ärzten sogar Prämien für jeden AOK-Patienten, der eine für den Finanzausgleich relevante Diagnose erhält. Die AOK Niedersachsen hat dafür bereits 500 000 Euro gezahlt. Es gehe um das richtige Codieren, das "right coding", versichert AOK-Sprecher Udo Barske.

Doch vor allem Vorgänge in Bayern stützen den Verdacht, dass es auch um mehr gehen könnte. In Bayern hat der Chef des Hausärzteverbands die Ärzte aufgefordert, nur Versicherte solcher Kassen neu zu codieren, die einen ähnlich lukrativen Hausarztvertrag mit dem Verband abschließen wie die AOK. Etliche Ärzte versprachen daraufhin, sie wollten AOK-Patienten "upcoden", um der AOK zu helfen. Andere Hausarztverbände sind dem Beispiel inzwischen gefolgt.

"Wir haben Angst, dass Ärzte korrumpierbar werden", warnt Ärztekammer-Präsident Jörg Dietrich Hoppe. Techniker-Krankenkassen-Chef Norbert Klusen gib der Politik die Schuld. Sie habe mit dem neuen Finanzausgleich selbst "Manipulationsanreize gesetzt". Das sieht der Chef des Bundesversicherungsamts, Josef Hecken, ähnlich. Er will den Ausgleich überarbeiten: Eine Diagnose soll künftig in jedem Fall nur dann zu mehr Geld aus dem Ausgleich führen, wenn der Versicherte nachweisbar auch Medikamente gegen die entsprechende Krankheit erhält.

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