Gesundheitsfonds
Schmidt wirft Kassen Realitätsverlust vor

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat Manager der gesetzlichen Krankenkassen scharf angegriffen und ihnen wegen finanzieller Nachforderungen Maßlosigkeit vorgeworfen. Den Spitzenverband der Kassen schert das wenig. Er beharrt trotzdem auf seiner Forderung nach einem Milliardenzuschuss für die Krankenversicherung.

HB BERLIN. Der Gesundheitsfonds sei schuldenfrei gestartet, und nun fehlten ihm durch die Wirtschaftskrise fast drei Mrd. Euro, sagte Verbandssprecher Florian Lanz am Dienstag in Berlin. „Da ist es vernünftig zu hinterfragen, ob Schulden die richtige Finanzierungsform für die gesetzliche Krankenversicherung sind.“

Schmidt sagte der „Financial Times Deutschland“, manche hätten offenbar den Bezug zur Realität verloren. „Es kann nicht sein, dass jeder im Gesundheitswesen immer nur nach mehr Geld ruft. Das passt überhaupt nicht in diese Zeit, in der immer mehr Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen“, kritisierte die SPD-Politikerin.

Nach Berechnungen des sogenannten Schätzerkreises fehlen dem Gesundheitsfonds in diesem Jahr rund 2,9 Mrd. Euro. Der Grund sind die geringeren Einnahmen infolge des Konjunktureinbruchs. Der Bund steht in der Pflicht, den Fehlbetrag durch ein Darlehen auszugleichen. Der Fonds muss die geliehene Summe bis Ende 2011 zurückzahlen. Der Spitzenverband hatte gefordert, das Darlehen in einen Zuschuss umzuwandeln.

Schmidt warf den Kassen vor, sich über die Gesundheitsreform zu stellen. So müsse die Honorierung der Ärzte etwa stärker an der Qualität der Patientenversorgung ausgerichtet werden. Bisher sei dies aber nicht flächendeckend gelungen. „Dass manche Kassen sich hier nicht bewegen wollen, ist ein Armutszeugnis.“

In den Fonds fließen seit Jahresanfang alle Beitragseinnahmen. Jede Kasse bekommt eine bestimmte Summe aus diesem Geldpool zugeteilt.

Laut dem aktuellen GEK-Arzneimittelreport, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, drohen die explodierenden Kosten für hochmoderne Arzneien gegen Krebs, Rheuma oder Multiple Sklerose das System zu sprengen.

Die Arzneimittelkosten wachsen seit Jahren ungebremst. 2008 gab allein die Krankenkasse GEK je Versichertem neun Prozent mehr für Medikamente aus. In der gesamten gesetzlichen Krankenversicherung wuchsen die Ausgaben nach Angaben des Gesundheitsministeriums um 5,3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro.

Der Autor des Reports, Gerd Glaeske, der nun schon zum neunten Mal für die Krankenkasse den Arzneimittelmarkt durchleuchtete, machte dafür vor allem sogenannte Biologicals verantwortlich. Sie machten bereits 13 Prozent der Arzneimittelausgaben aus. Einige dieser Präparate sind zwar selbst aus Sicht der Krankenkasse „echte Innovationen mit unbestreitbarem Therapienutzen“. Doch laufen aus Sicht der Kassen die Kosten aus dem Ruder.

Seite 1:

Schmidt wirft Kassen Realitätsverlust vor

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%