Gesundheitskompromiss
Privatversicherte zahlen die Zeche

Die mehr als acht Millionen privat Krankenversicherten müssen mit einer drastischen Erhöhung ihrer Beiträge rechnen. Nach dem von den Spitzenpolitikern der großen Koalition beschlossenen Gesundheitskompromiss würden die privaten Krankenversicherer „die Beiträge im Schnitt um 30 bis 40 Prozent anheben“, sagte der Chef der größten privaten Krankenversicherung Debeka, Uwe Laue, dem Handelsblatt. Von einer Beitragsexplosion in dieser Höhe geht auch der PKV-Verband aus.

pt/rl/brc BERLIN/DÜSSELDORF. Die bevorstehenden Prämienerhöhungen sind darauf zurückzuführen, dass Privatversicherte künftig erstmals ohne gravierende finanzielle Einbußen den Anbieter wechseln können. Dies ermöglicht die neue Regelung, dass sie einen Teil ihrer Altersrückstellungen zum neuen Privatversicherer mitnehmen dürfen. Während die große Koalition mit dieser Neuerung den Wettbewerb fördern will, gehen die Versicherer davon aus, dass sie ihre jeweiligen Altersrückstellungen massiv aufstocken müssen.

Hinzu kommt, dass die privaten Versicherer einen Basistarif anbieten müssen, der in etwa dem Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Anders als bisher können die privaten Versicherer dabei Interessenten mit hohen Gesundheitsrisiken nicht mehr ablehnen beziehungsweise mit hohen Prämienzuschlägen belasten. Diesen nach Alter und Geschlecht gestaffelten Basistarif müssen die privaten Kassen auch vielen der meist sozial schwachen 300 000 Bundesbürger anbieten, die zurzeit überhaupt nicht krankenversichert sind. Können hilfsbedürftige Betroffene einen monatlichen Basistarif von beispielsweise 500 Euro nicht bezahlen, muss die private Versicherung ihnen auf eigene Kosten einen Nachlass von 50 Prozent gewähren.

Beitrag des Basistarifs vielfach nicht kostendeckend

Damit wird der Beitrag des Basistarifs vielfach nicht kostendeckend sein. Deshalb sollen jetzt auch die privaten Versicherer einen Risikostrukturausgleich einführen, den es bei den gesetzlichen Kassen schon gibt. Der PKV-Verband hat zwar noch nicht exakt berechnet, wie viel Geld in diesen Ausgleichstopf fließen wird. Experten zufolge geht es aber um Milliardensummen, die die Versicherer über Beitragserhöhungen aufbringen müssten.

Die privaten Versicherer hoffen darauf, den aus ihrer Sicht „in weiten Teilen nicht akzeptablen Gesundheitskompromiss“ notfalls vor dem Bundesverfassungsgericht stoppen zu können. PKV-Geschäftsführer Volker Leienbach sieht vor allem in der Regelung, dass heute schon Privatversicherte Altersrückstellungen zum neuen Anbieter mitnehmen dürfen, einen „verfassungswidriger Eingriff in bestehende Verträge“. Sollte diese Regelung tatsächlich Gesetz werden, „ist für uns ein Gang nach Karlsruhe unausweichlich“, sagte er dem Handelsblatt.

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