Gesundheitskosten
CDU nimmt bei Suche nach Geldquellen Dicke ins Visier

Übergewichtige sollen nach Auffassung des Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz mehr Geld ins Gesundheitssystem zahlen. Die Grünen halten das für einen schlechten Scherz und regen an, gleich auch Politiker und Manager als Risikopatienten zu betrachten und sie finanziell stärker zu belasten.
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dne/HB BERLIN. „Es muss die Frage erlaubt sein, ob die immensen Kosten, die zum Beispiel durch übermäßigen Esskonsum entstehen, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können“, sagte der CDU-Politiker Wanderwitz der „Bild“-Zeitung. „Bewusst ungesund lebende Menschen“ müssten eine „eigene Verantwortung auch in finanzieller Hinsicht tragen“, meinte er.

Die Grünen wiesen die Überlegungen scharf zurück. Die Vorschläge des Vorsitzenden der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion im Bundestag seien eine Absage an das Solidarsystem, sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck Handelsblatt Online. „Sie sind diskriminierend und unsozial.“ Warum nicht dann gleich auch noch bestimmte Berufsgruppen besonders belasten. „Der Stress bei Politikern und Managern bringt ein höheres Infarktrisiko mit sich“, sagte Beck und fügte hinzu: „Wenn man damit einmal anfängt, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.“

Empört reagierte auch der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. „Das ist ein durchweg schwachsinniger Vorschlag“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Schließlich litten viele Übergewichtige unter Stoffwechselstörungen. „Er liegt auf der Linie von Union und FDP. Dort scheint man sich jeden Tag Gedanken zu machen, wie man aus der Tasche des Bürgers noch etwas herausbekommt.“

Nach einer unveröffentlichten Studie der Jacobs-University Bremen unterstützt die Mehrheit der Deutschen höhere Beiträge bei ungesunder Lebensweise, wie es in dem Bericht weiter hieß. „Die Mehrheit der Versicherten befürwortet höhere Zuzahlungen bei ungesunden Verhaltensweisen“, sagte die Initiatorin der Studie, Adele Diederich, „Bild“.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hält den Vorschlag des CDU-Bundestagsabgeordneten für praxisuntauglich. "Letztlich führt die Diskussion in die Irre, denn wenn die Versicherten für die Folgen ihres Verhaltens auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden sollen - und dafür gibt es gute Gründe -, dann muss man generell auf Kostenverantwortung setzen und zum Beispiel über Selbstbehalte das Verhalten beeinflussen", sagte IW-Gesundheitsökonom Jochen Pimpertz Handelsblatt Online.

Ob Essverhalten oder Risikosport, das Verhalten der Versicherten sei in der Praxis kaum kontrollierbar, gab Pimpertz zudem zu bedenken. "Ja selbst die Wirkung ist nicht immer eindeutig - angefangen von der problematischen Festlegung von Grenzwerten bis hin zu der Frage, ob Ski alpin gesundheitsfördernd wirkt oder eine Risikosportart ist." Selbst höhere Steuern auf Schokolade oder Alkohol nehme jene in die "Kollektivhaftung", für die vermeintlich gesundheitsgefährdende Lebensmittel unproblematisch seien.

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem forderte hingegen eine Diskussion über die Belastungen des Gesundheitssystems durch Übergewichtige. „Man sollte, wie bei Tabakwaren, den Kauf gesundheitsschädlicher Konsumgüter höher besteuern und teilweise ins Gesundheitssystem führen“, sagte er der Zeitung. „Das betrifft Alkohol, Schokolade oder Risikosportgeräte wie Drachenflieger.

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  • durch meine erkrankung bin ich gezwungen gewisse medikamente einzunehmen.leider hab ich in 10 jahren knappe 30 kilo aus diesem grund zugenommen. nunja warum soll der staat nicht von uns etwas beleibteren leben. toller weg, ich hoffe das es die, die solche gedanken womöglich noch in die tat umsetzen, auch so getroffen werden. man wünscht ja niemanden schlechtes, aber in diesem fall mach ich gern mal eine ausnahme.

  • Die wahren ungesunden Lebnsmittel sind bekannt.

    Kann jeder nachprüfen, neulich kaufte ich mir ein bio-Sonnenblumenöl bei Netto und wunderte mich über den günstigen Preis.
    Das Zeug pappt wie Lebstoff an den Töpfen und der Umgebung. Gleichzeitig stellte ich auch bei anderen "günstigen" Sonnenblumenölen fest.
    Umgeestert wird das.
    Genauso wie es überall anpappt wir Klebstoff wirkt es auch im Körper und den Aterien.

    Es gibt gleichzeitig biO Sonnenblumenöle im Handel, die in Ordnung sind. Das ist nicht das Thema. Doch diese Öle sind es die einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit haben.
    Erklären oder fragen Sie mal nach "umgeestert" einem Politiker oder UNi Absolvent. Die haben davon noch nie etwas gehört.

  • [9] 18-formatic

    Sie sind eben disziplinierter!

    Zu den Transportkosten: Ein Fetter nimmt den Platz von zwei Schlanken ein.
    Zu den Kläranlagen: Unsere Kläranlagen sind schon am Limit.
    Zu dem Konsum: besteht bei den Fetten leider nicht aus Reis und Gemüse. Einfach mal die entsprechenden internetseiten aufrufen.(warum gibt es in New York die Kennzeichnungspflicht für Fastfood-Gerichte, wo. imbissketten auf jeder Portion genau angeben müssen, wie viel Kalorien darin stecken?)
    Weil die New Yorker bald platzen. Zugegeben, die Menschen am Mississippi sind noch fetter.


    Meine Devise: „Ein leichtes Hungergefühl während des Tages kann nicht schaden“

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