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05.04.2007 
Ausgaben

Gesundheitskosten sind unnötig hoch

von Peter Thelen

Der starke Anstieg bei den Ausgaben der Krankenkassen für patentgeschützte Arzneimittel alarmiert die Politik. Als erster Unionspolitiker forderte jetzt Saarlands Gesundheitsminister Josef Hecken, die neuen Instrumente der Gesundheitsreform zu nutzen.

Der Umsatz mit patentgeschützten Medikamenten stieg 2006 um acht Prozent. Foto: dpaLupe

Der Umsatz mit patentgeschützten Medikamenten stieg 2006 um acht Prozent. Foto: dpa

BERLIN. „Dass die Ausgaben der Kassen für Medikamente insgesamt 2006 nur um 1,3 Prozent gestiegen sind, ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen“, sagte Hecken dem Handelsblatt. Denn dieser Erfolg sei nur den starken Preissenkungen im Generikamarkt zu verdanken. „Gleichzeitig haben die Hersteller von patentgeschützten Medikamenten ihre Umsätze aber dramatisch steigern können und damit die Kosten für das Gesundheitswesen unnötig erhöht.“

Nach den Daten des Ministeriums stieg der Umsatz mit patentgeschützten Medikamenten im vergangenen Jahr gegenüber 2005 um acht Prozent auf 14,5 Mrd. Euro, obwohl die Ärzte fast zwei Prozent weniger Packungen verordneten. Dagegen gingen die Umsätze mit Generika und Medikamenten, deren Patentschutz ausgelaufen ist, um 8,3 Prozent auf 9,57 Mrd. Euro zurück, bei 1,5 Prozent weniger Verordnungen. Damit habe sich die Verschiebung von patentfreien Arzneimitteln hin zu neueren und teuren – aber nicht unbedingt therapeutisch besseren – Medikamenten fortgesetzt, sagte Hecken. Ohne diese Verschiebung wären die Arzneimittelausgaben der Kassen sogar gesunken, meinte der Sozialminister.

Er forderte, diese Entwicklung dadurch zu stoppen, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) konsequent von seiner neuen Befugnis Gebrauch macht, den Nutzen patentgeschützter Medikamente zu den Kosten in Beziehung zu setzen. Dabei sollte auch die Möglichkeit genutzt werden, den von den Kassen erstatteten Preis für diese Medikamente auf einen Höchstbetrag zu begrenzen, wenn die Prüfung ergibt, dass der von den Herstellern geforderte Preis in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Außerdem müssten die Ärzte konsequenter als bisher teure Originalpräparate durch preiswerte Generika ersetzen.

Als Beispiel nannte Hecken zwei patentgeschützte Medikamente gegen Magengeschwüre: Pantozol und Nexium Mups. Sie zählten zu den Top-3 der umsatzstärksten Medikamente, könnten aber ohne Nachteile für die Patienten durch das Generikum Omeprazol ersetzt werden. Allein dadurch könnten die Kassen pro Jahr über 210 Mill. Euro einsparen. Insgesamt schätzt Hecken das Sparpotenzial durch den Einsatz gleichwertiger Nachbauten von Originalpräparaten auf 629 Mill. Euro im Jahr.

Als erste der 16 Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ist die KV-Nordrhein diesen Weg gegangen. Sie hat ihren Ärzten eine Liste mit generischen Alternativen zu teuren patentierten Arzneien zur Verfügung gestellt. Die Kostenunterschiede sind zum Teil dramatisch. So liegt der Preis des patentgeschützten Zyprexa gegen Schizophrenie des Unternehmens Eli Lily um 231 Prozent über dem des von der KV als gleichwertig eingeschätzten generischen Medikaments Amisulprid. Zwischen Pantozol und Omeprazol besteht ein Kostenunterschied von 82 Prozent. Das blutdrucksenkende Mittel Nebilet von Berlin Chemie kostet 235 Prozent mehr als der generische Wirkstoff Bisoprolol.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hält Heckens Forderungen für verfehlt. Er verweist darauf, dass die steigenden Ausgaben für patentgeschützte Medikamente vor allem durch neuartige Wirkstoffe gegen schwerste Krankheiten wie Krebs, Parkinson, Alzheimer und Virusinfektionen ausgelöst wurden, für die es keine Therapiealternative gibt. VFA-Chef Andreas Barner warnte das Iqwig zudem, seine neuen Kompetenzen zur Kosten-Nutzenbewertung zu missbrauchen. Das Iqwig müsse seine Methoden der Nutzenbewertung endlich internationalen Standards anpassen, wie sie beim britischen Prüfinstitut Nice erfolgreich angewendet würden.

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