Gesundheitspolitik
Ärzte kämpfen um Pfründe bei Privatpatienten

Der Konflikt um eine Reform der Gebührenordnung für Privatpatienten eskaliert: Am Donnerstag wehrten sich die Bundeskammern der Ärzte und Zahnärzte gemeinsam gegen die Forderung der Privatversicherer, direkt mit den Medizinern Verträge über Qualität und Preis ihrer Leistungen schließen zu können. Für Patienten und Ärzte geht es bei dem Streit um viel Geld.
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BERLIN. Der seit Wochen schwelende Konflikt um eine Reform der jahrzehntealten Gebührenordnung für die neun Millionen Privatpatienten eskaliert. In einer geschlossenen Aktion wehrten sich am Donnerstag die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer gegen die Forderung der Privaten Krankenversicherung (PKV), die neuen Gebührenziffern für ärztliche und zahnärztliche Leistungen um eine Öffnungsklausel zu ergänzen. Mit ihr hätten private Versicherungsunternehmen erstmals die Chance, wie gesetzliche Kassen mit Ärzten direkt Verträge über Qualität und Preis ihrer Leistungen zu schließen - und so womöglich viel Geld zu sparen.

Ein solches Verhandlungsrecht sei nichts anderes als eine Discountklausel, sagte der Chef des Bundeszahnärztekammer, Peter Engel. Den Ärzten bliebe nichts anderes übrig, als sich gegenseitig zu unterbieten, um mit der PKV im Geschäft zu bleiben. An Ende erhielten die Privatversicherten nur noch Leistungen auf Aldi-Niveau, warnte auch Theodor Windhorst, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer.

Rückendeckung erhielt der PKV-Verband vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Von den starren Vorgaben der Gebührenordnung abweichende Vereinbarungen können zu Kostensenkungen führen. Das ist durchaus im Interesse der Versicherten", sagte der Gesundheitsexperte des Verbands, Stefan Etgeton, dem Handelsblatt.

Die Versicherten müssten über immer höhere Prämien dafür bluten, dass die PKV inzwischen je Arztbehandlung pro Versichertem über zwei Mal so viel zahlen muss wie die gesetzlichen Kassen. Diese Zahl zeige auch, "dass die Vergütungen der PKV von ?Billigmedizin? noch sehr weit entfernt sind", entgegnete Edgeton den Ärzten. Der Vorsitzende des PKV-Verbands, Reinhold Schulte, betonte, dass es nicht darum gehe, Honorardrückerei zu betreiben, sondern überflüssige Leistungen zu vermeiden und die Qualität zu verbessern.

Für die Ärzte geht es bei dem Streit um viel. Sie verdienen mit den zehn Prozent Privatpatienten ein Viertel ihres Gesamthonorars, Tendenz steigend. Auf dieses Zubrot wollen sie ungern verzichten. Bei Zahnärzten liegt die Quote sogar bei 50 Prozent. Der Grund: Große Teile der Zahnbehandlung müssen gesetzlich Versicherte inzwischen privat zahlen. Zwölf Millionen haben dafür eine private Zusatzversicherung abgeschlossen.

Kommentare zu " Gesundheitspolitik: Ärzte kämpfen um Pfründe bei Privatpatienten"

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  • Als Privat Versicherter weiß ich nur zu gut, wie die Ärzte - ich habe bisher keine Ausnahme erlebt, versuchen zusätzliche , aber überflüssige Leistungen bei mir oder bei meiner Familie "an den Mann zu bringen". Spricht man sie darauf an, versuchen sie mit dem Argument "zahlt doch die Versicherung, steht ihnen doch zu " für blod zu verkaufen. ich kann nur hoffen, dass die Privatversicherer bei ihrer jetzigen Position hart bleiben. ich fürchte jedoch dass auch die PKV durch Ärztefunktionäre schon unterwandert wurde.

  • Als gäbe es nicht genügend Treibstoff in der gesetzlichen Krankenversicherung:
    Wußten Sie, daß ein türkischer Arbeitnehmer vollautomatisch auch seine Ururgroßmutter, Urururgroßvater, Urgroßmutter , Urgroßvater, brüder, Schwestern , Enkel hier in Deutschland mitversichert hat?
    Wie, das glauben Sie nicht?
    Gehen Sie bitte unter "Deutscher bundestag" , registrieren Sie sich unter Petitionen, lesen sie die Pet-iD 14686 und sollten Sie der Meinung sein, daß das wirklich nicht angehen darf können Sie sie ja mitunterzeichnen.
    "Petition gegen das Sozialversicherungsabkommen"

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