Gesundheitspolitik
Ärztekammer beklagt schlechte Deutschkenntnisse

Wir vertrauen Ärzten unser Leben an – doch diese können laut Günther Jonitz oftmals nicht gut Deutsch. Der Präsident der Berliner Ärztekammer beschuldigt die Politik, gute deutsche Ärzte vergrault zu haben.
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BerlinDer Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, beklagt die schlechten Deutschkenntnisse vieler Mediziner in Krankenhäusern. Es häuften sich Beschwerden von Patienten, die sich mit ihrem Arzt nicht mehr verständigen können, sagte Jonitz an Silvester im Deutschlandradio Kultur. Und Chefärzte berichteten, dass sie sich nur noch mit einem Drittel ihrer Mitarbeiter auf Deutsch unterhalten könnten.

Diese Verständigungsprobleme belasten laut Jonitz die Arzt-Patienten-Beziehung und seien eine der Hauptursachen dafür, wenn in der Behandlung etwas schief laufe. Auch würden die Ärzte, die gut und fließend Deutsch könnten, mehr und mehr von der unmittelbaren Patientenversorgung abgezogen, um Arztbriefe oder Berichte zu schreiben. „Die Risiken insgesamt steigen“, mahnte der Berliner Ärztekammerpräsident.

Ursache dieser Entwicklung sei die Ökonomisierung des Gesundheitswesens, sagte Jonitz. So lege eine „richtig miese Gesundheitspolitik“ zu viel Wert auf Zahlen und wirtschaftliche Erträge und vergesse die Menschen im System.

Dies würden sich deutsche Ärzte und Krankenschwestern mittlerweile jedoch nicht mehr bieten lassen: „Wer kann, geht weg, geht in andere Länder und arbeitet dort, wo er als Arzt oder als Krankenschwester angesehen ist - in der Schweiz, in Skandinavien, in England, in Frankreich, in Holland - und diese Lücken werden dann gestopft mit den Ärzten, die aus den Ländern kommen, wo es noch schlimmer ist.“

Er forderte die Politik auf, Arbeitsbedingungen für Ärzte und Krankenschwestern in Deutschland attraktiver zu gestalten.

 
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gesundheitspolitik: Ärztekammer beklagt schlechte Deutschkenntnisse"

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  • Die Erkenntnisse der Ärtzekammer kann ich nur bestätigen. Auch bei geplanten Klinikterminen sollten Patienten für Ärzte aus dem arabisch-sprachigen Raum zumindest Französich-Kenntnisse haben, ansonsten sind Englisch-Kenntnisse in Kliniken mittlerweile unverzichtbar!

  • Ich arbeite seit Jahren im Krankenhaus als Sekretärin. In den letzten Jahren werden dort verstärkt ausländische Ärzte angestellt. Es ist einfach grauenhaft!!!!Wir verstehen sie kaum und es wird immer schwieriger die schlecht formulierten Briefe zu schreiben und die Patienten verstehen sie auch nicht. Ich habe eigentlich total Angst, das dadurch schlimme Fehler passieren und würde als Patient da sehr aufpassen. Ich und meine Kolleginnen versuchen diese Formulierungsfehler auszugleichen, aber es wird wirklich immer schlimmer. Sind wir dafür da Deutsch zu lehren? Ich habe da wenig Vertrauen und ich finde es sollte ein gewisses Gleichgewicht an deutschen und ausländischen Ärzten eingehalten werden. Ich denke mir dann immer, hoffentlich habe ich das jetzt richtig verstanden und hoffentlich kontrolliert jemand diesen Brief. Da muss sich dringend etwas ändern.

  • Deutschlands medizinische Versorgung auf Anweisung unserer Politiker:
    Weihnachten 2012: Kindernotaufnahme: min. 5 Stunden Wartezeit im 1. Krankenhaus. Dann, nach einer Stunde zum 2. Krankenhaus, Hier Wartezeit nur 3 Stunden. Ergebnis: Scharlach und 1000 andere Personen mit Scharlach infiziert auf Weisung unserer Politiker.

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