Gesundheitsreform
Hoppe wirft Schmidt "Possenspiel" vor

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt „politisches Possenspiel“ vorgeworfen und die weitere Zusammenarbeit mit der SPD-Politikerin in Frage gestellt.

HB FRAKFURT/MAIN. Im Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel scheine Schmidt „auf die Erfahrungen und Einschätzungen der Ärzteschaft weitgehend verzichten zu wollen“, sagte Hoppe mit Blick auf das Ringen um die für 2006 geplante Gesundheitsreform.

Er attestierte der Ministerin, unter dem Einfluss gesundheitsökonomischer Berater zu stehen: Sie meine noch immer, dass das Gesundheitswesen in Deutschland zu viel Geld für nicht angemessene Qualität ausgebe. „Das war und ist barer Unsinn“, sagte Hoppemit Verweis auf eine internationale Studie, nach der die Patienten mit der medizinischen Versorgung in Deutschland hochzufrieden seien: „Gute Qualität gibt es nicht zum Spartarif, so viel Einsicht muss man von einer Gesundheitsministerin schon erwarten dürfen.“

Hoppe bestritt, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen ausufern: „Es gibt keine Kostenexplosion.“ Der Anteil der Kassenausgaben am Bruttoinlandsprodukt sei seit 20 Jahren stabil bei sechs bis sieben Prozent. Das Problem liege bei den Einnahmen: Die Budgets für die ambulante Behandlung seien so knapp bemessen, dass sie oft schon vor Quartalsende erschöpft seien: „Das Geld der Kassen reicht hinten und vorne nicht, um eine gleich bleibend gute Versorgung zu gewährleisten.“

Im Durchschnitt müssten die Ärzte fast 60 Prozent der von den Kassen gezahlten Gesamtvergütung zur Finanzierung von Personal, Räume, Medizintechnik und Sachkosten verwenden. Ohne die zusätzlichen Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten wären viele Ärzte schon jetzt pleite, betonte der oberste Vertreter der mehr als 300 000 Mediziner in Deutschland.

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