Gesundheitssystem
Studie: Praxisgebühr hat Kosten nicht gedämpft

Der Streit um die Senkung der Kosten im Gesundheitssystem schwelt weiter. Dabei hieß es noch im Jahr 2004, schon die Einführung der Praxisgebühr könne eine deutliche finanzielle Entlastung bringen. Ein Irrtum, wie eine aktuelle Studie belegt haben will. Demnach hat die Gebühr nichts gebracht außer zusätzlichen Belastungen für Patienten und Mediziner.

HB DÜSSELDORF. Gesetzlich Krankenversicherte gingen nach der Einführung der Praxisgebühr 2004 mit der gleichen Wahrscheinlichkeit zum Arzt wie zuvor, heißt es in der Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die Gebühr von zehn Euro beim ersten Arztbesuch pro Quartal habe nicht zur Kostensenkung beigetragen. Dies wäre eher von einer Gebühr zu erwarten, die zwar geringer sei, dafür aber bei jedem Arztbesuch bezahlt werden müsste. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte solche Überlegungen in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.

Die Praxisgebühr müssen Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland seit dem 1. Januar 2004 bei Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapeutenbesuchen leisten. Die Gebühr wird in der Praxis entrichtet und von dieser an die Krankenkassen weitergeleitet. Ein Ziel der Praxisgebühr ist die finanzielle Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Die Untersuchung des RWI stützt sich bei seiner Studie auf Umfragen unter rund 20 000 Bundesbürgern aus den Jahren 2003 und 2005 - also vor und nach der Einführung der Gebühr. Dabei sollten die Befragten jeweils angeben, wie häufig sie in den vergangenen drei Monaten einen Arzt aufgesucht hatten. Dabei seien keine deutlichen Unterschiede festgestellt worden: „Auch unterschieden nach Geschlecht, Alter, Haushaltseinkommen, Region, Bildungsabschluss oder Familienstand fanden sich keine signifikanten Effekte“, schreiben die RWI-Ökonomen.

Nicht untersucht wurde, wie und ob sich die zeitliche Verteilung der Arztbesuche verändert hat: „Zu vermuten ist, dass gesetzlich Krankenversicherte versuchen, möglichst viele Arztbesuche in einem Quartal zu absolvieren, um die Praxisgebühr voll auszunutzen.“ Die Folge wäre damit nur eine zeitliche Verlagerung der Arztbesuche, aber keine Senkung der Kosten.

Im Zusammenhang mit der geplanten Gesundheitsreform sucht die Regierung derzeit nach neuen Mitteln zur Kostensenkung im Gesundheitssystem. Der Schuldenberg der Krankenkassen zählt zu den größten Hindernissen bei der Einrichtung eines Gesundheitsfonds. Trotz des milliardenschweren Tabaksteuerzuschusses dürften die Kassen das erste Halbjahr mit einem Defizit abgeschlossen haben. Dies deuten erste Zwischenergebnisse an, die dem Handelsblatt vorliegen. Nach Branchenangaben waren die Krankenkassen Ende 2005 mit rund 3,7 Mrd. Euro verschuldet.

Nach den Plänen der großen Koalition soll der Beitragssatz im kommenden Jahr um 0,5 Prozentpunkte steigen. Die Krankenkassen gehen dagegen von einer deutlich höheren Steigerung von 1,4 Prozentpunkten auf einen durchschnittlichen Satz von 15,2 Prozent aus.

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