GEW will Förderprogramme für benachteiligte Schüler
BDI fordert umfassende Reform im Bildungswesen

Als Konsequenz aus den erneut schlechten Pisa-Ergebnissen für deutsche Schulen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein Förderprogramm für benachteiligte Schüler und mehr Lehrerfortbildung gefordert. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat als Konsequenz aus der neuen Pisa-Studie eine umfassende Reform des Bildungswesens gefordert.

HB BERLIN. Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange sprach sich am Montag in Frankfurt/Main zudem dafür aus, das gegliederte Schulwesen in Deutschland schrittweise umzubauen. „Die Schüler brauchen jetzt eine qualitativ hochwertige Ausbildung.“

Das Ergebnis der Studie zeige, „dass wir das gesamte Bildungssystem erheblich anders strukturieren und steuern müssen“, sagte BDI-Bildungsexperte Heinrich Höfer am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Bessere Ergebnisse seien frühestens in zwei bis drei Jahren zu erwarten. Insgesamt zeigte sich der auch für Bildung zuständige Leiter der BDI-Abteilung für Technologie- und Innovationspolitik wenig überrascht über das Ergebnis der Untersuchung. „So neu und überraschend ist das nicht.“ Seit die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer ersten Pisa-Studie dem deutschen Bildungssystem vor drei Jahren nur einen Platz im unteren Drittel zugewiesen hatte, sei zu wenig Zeit ins Land gegangen.

Nach Medienberichten lagen deutsche Schüler 2003 im Vergleich mit ihren Altersgenossen aus 30 anderen OECD-Ländern in der Mathematik auf Platz 17, nachdem sie vor drei Jahren noch an 20. Stelle gelegen hatten. Auch bei der Lesefähigkeit bleiben sie unter dem Durchschnitt. Zur Verbesserung der schulischen Leistungen regte Höfer an, zu prüfen, ob die vom BDI für die Universitäten vorgeschlagenen Bildungsgutscheine auch für die Schulen vergeben werden könnten. Es könne mehr Autonomie und Wettbewerb erreicht werden, wenn die Eltern per Gutschein entscheiden könnten, auf welche Schulen sie ihre Kinder schickten und wie das Geld in den Schulen verwendet werde. Zudem sei der Beamtenstatus von Lehrern entbehrlich.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulrike Flach (FDP), kritisierte, nach den Ergebnissen der ersten Pisa-Studie sei nicht in die Verbesserung der Qualität des Unterrichts investiert worden, „sondern in Mess- und Evaluationsverfahren“.

Nach Einschätzung des Deutschen Philologenverbandes bewegt sich das Abschneiden der deutschen Schulen im Rahmen der Erwartungen. Niemand habe davon ausgehen dürfen, dass innerhalb von nur drei Jahren ein großer Sprung nach oben auf der Rangskala der Industrieländer erfolgen könne, sagte Verbandsvorsitzender Heinz- Peter Meidinger.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck ist vom Ergebnis und dem erneut schlechten deutschen Abschneiden bei der weltweiten Pisa-Schulstudie nicht überrascht. Es sei ziemlich naiv zu glauben, dass zwei Jahre nach der ersten Studie jetzt andere Ergebnisse herauskommen würden, sagte Beck am Montag vor der SPD- Präsidiumssitzung in Berlin. „So schnell ändern sich Dinge nicht.“ In den vergangenen Jahren seien trotzdem viele Dinge auf den Weg gebracht worden, wie Ganztagsschule und Qualitätssteigerung.

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD), hatte zur jüngsten Pisa-Studie erklärt, größere Veränderungen seien innerhalb eines so komplexen Systems wie der Schule kurzfristig nicht zu erreichen. Als Konsequenz aus der ersten Pisa-Studie hatte die Bundesregierung 2002 beschlossen, die Länder bei der Ausweitung von Ganztagsschulen finanziell zu unterstützen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte zudem das Ziel formuliert, das deutsche Bildungswesen bis 2010 international an die Spitze zu führen.

Auch bei dem zweiten weltweiten Pisa-Schultest sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die deutschen Schüler in allen drei Testdisziplinen nur in der unteren Hälfte der Leistungstabelle von 31 Industriestaaten.

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