1 Bewertung *
04.09.2008 
Steigerung um 5,5 Prozent

Gewerbesteuer lässt Kämmerer frohlocken

von Axel Schrinner

Die Gewerbesteuer lässt in vielen Städten und Gemeinden die Sektkorken knallen. Im zweiten Quartal stieg das Aufkommen der wichtigsten Kommunalsteuer in den 100 größten Städten überraschend um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dies zeigt eine Umfrage des Städtetags, die dem Handelsblatt vorliegt. Doch das kräfte Steuerplus gibt Rätsel auf.

DÜSSELDORF. Laut der Umfrage erhöhte sich das Gewerbsteueraufkommen im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent. Der Städtetag rechnet nun damit, dass der Arbeitskreis Steuerschätzung seine Gewerbesteuerprognose anheben dürfte. Die Steuerschätzerin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Kristina van Deuverden, hält Mehreinnahmen von drei Mrd. Euro für möglich. Die Prognose im Mai hatte für das laufende Jahr 36,2 Mrd. Euro Gewerbsteuereinnahmen geschätzt - knapp vier Mrd. Euro weniger als im Rekordjahr 2007, als erstmals die 40-Milliarden-Grenze geknackt worden war.

Das kräftige Steuerplus im zweiten Quartal gibt Rätsel auf. Nach Berechnungen des Bundesfinanzministerium müsste die Unternehmensteuerreform die Einnahmen dieses Jahr eigentlich um 2,1 Mrd. Euro drücken. Hinzu kommt der Konjunktureinbruch. Denn während die Unternehmen im Aufschwung versuchen, möglichst lange die Anpassung ihrer Steuervorauszahlungen nach oben hinauszuzögern, reduzieren sie ihrer Abschläge bei Gewinneinbrüchen möglichst rasch. Im langjährigen Mittel steuern die Vorauszahlungen etwa 70 bis 80 Prozent zum Aufkommen bei, der Rest stammt aus Nachzahlungen für Vorjahre. Gerade dieser Teil ist für die hohen Ausschläge beim Aufkommen maßgeblich verantwortlich.

Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Stephan Articus, zeigte sich zwar erfreut über die Entwicklung, mahnte aber zur Vorsicht. "Gerade arme Städte in strukturschwachen Regionen profitieren von einem Anstieg des Gewerbesteueraufkommens nur unterdurchschnittlich", sagte Articus. Die Länder stünden daher weiterhin in der Pflicht, gerade diesen Kommunen durch eine ausgeglichene Finanzierung Zukunftschancen zu eröffnen.

Außerdem rechnet der Städtetag nicht damit, dass sich der positive Trend des ersten Halbjahres unverändert fortsetzt. Finanzmarktkrise und abflauende Konjunktur dürften sich bald im Steueraufkommen niederschlagen. Außerdem sei zu befürchten, dass die Unternehmensteuerreform im zweiten Halbjahr zu Ausfällen führt. So könne die Steuersenkung von den Betrieben nur dann schon jetzt in Anspruch genommen werden, wenn sie dem Finanzamt offenbar schwer ermittelbare steuerrelevante Angaben machten. Derartige Anträge seien bislang kaum bei den Finanzämtern eingegangen.

Die turnusmäßige Städtetag-Umfrage unter seinen Mitgliedern repräsentiert rund die Hälfte des gesamten Gewerbesteueraufkommens. Sie ist der einzige zeitnahe Indikator für diese Steuer. Die amtlichen Statistiken liegen stets erst mit gut einem Quartal Verzögerung vor. In den vergangenen Quartalen war die Gesamtentwicklung sogar noch etwas besser, als der Trend in den Städten: im ersten Quartal nahmen die Städte 2,1 Prozent mehr ein, im gesamten Bundesgebiet legten die Einnahmen sogar um 8,3 Prozent zu.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar