Gewerkschaft schnürt im Pilotbezirk der Metallindustrie Forderungspaket
IG Metall will um vier Prozent mehr Lohn

Bei den im Dezember beginnenden Tarifverhandlungen in Baden-Württemberg will die IG Metall zwischen 3,5 und 4,5 Prozent mehr Lohn fordern.

HB STUTTGART.IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte am Mittwoch nach einer Sitzung der Großen Tarifkommission in Leinfelden-Echterdingen, die Mehrzahl der Teilnehmer an der Sitzung hätten sich für eine Einkommenserhöhung zwischen 3,5 und 4,5 Prozent ausgesprochen. Die Forderung könnte sich in der Mitte bewegen, sagte Hofmann. Die endgültige Forderung der baden-württembergischen IG Metall wird am 20. November beschlossen. In Stuttgart sind die als besonders leistungsfähig eingestuften Autokonzerne Porsche und Daimler-Chrysler ansässig. In der Forderung der IG Metall enthalten sind 1,39 Prozent mehr Lohn, die nach dem Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) später in einen Fonds zur Angleichung der Löhne von Arbeitern und Angestellten fließen sollen.

Baden-Württemberg ist in den Metall-Tarifverhandlungen meist der Pilot-Bezirk, in dem wegweisende Abschlüsse für Deutschland erzielt werden. Die Gewerkschaft peile eine Laufzeit von zwölf Monaten oder mehr an, hieß es in den Gewerkschaftskreisen weiter. Denkbar sei aber angesichts der unsicheren Konjunkturlage eine Klausel, die bei unerwarteten Entwicklungen Nachverhandlungen in beiden Richtungen ermögliche. In die vorige Tarifrunde war die IG Metall mit einer Forderung von 6,5 Prozent gegangen, der Abschluss lautete auf 4,0 Prozent.

Der für Tarifpolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der größten Industriegewerkschaft der Welt, Berthold Huber, hatte bereits Mäßigung in den Forderungen angekündigt. In einem Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“ erteilte er am Wochenende dem Ruf nach einem tariflichen Ausgleich für die Sozialreformen der Bundesregierung eine Absage. Dies würde die Tarifpolitik überfordern. Der Verteilungsspielraum werde sich an Inflation und Produktivitätszuwachs orientieren.

Die Gewerkschaft will den seit 2002 geltenden Tarifvertrag bis Ende November kündigen, die Friedenspflicht endet dann Ende Januar. Die Tarifverhandlungen müssen formal bis zum 17. Dezember beginnen, mit den entscheidenden Gesprächen wird aber erst im Januar gerechnet. Der Hauptvorstand der IG Metall will am 10. November in Frankfurt eine Tarifempfehlung abgeben, die Tarifkommission in Baden-Württemberg soll am 20. November über ihren eigenen Vorschlag abstimmen. Die Aktie von Daimler-Chrysler gab am Mittwochnachmittag um 0,8 Prozent auf 30,82 Euro nach.

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