Gewerkschaft unnachgiebig: Chemiebranche steht vor harter Tarifrunde

Gewerkschaft unnachgiebig
Chemiebranche steht vor harter Tarifrunde

Bei jeder neuen Tarifrunde sind Konflikte vorprogrammiert, da die Vorstellungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern meist kollidieren. Im Zuge der anstehenden Verhandlungen in der Chemiebranche wird jedoch ein grundsätzliches Problem akut, dass in diesem Jahr noch andere Wirtschaftszweige beschäftigen wird.

BERLIN/FRANKFURT. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sieht keinen Grund, wegen der jüngsten Turbulenzen am Finanzmarkt tarifpolitisch zurückzustecken. „Ich verstehe ja, dass die Arbeitgeber händeringend nach Argumenten gegen unsere Tarifforderung suchen“, sagte IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt dem Handelsblatt. Von sinkenden Aktienkursen werde sich die Gewerkschaft jedoch ebenso wenig beirren lassen wie von Prognosen, wonach die Chemieindustrie in diesem Jahr nur noch etwa halb so stark wachsen soll wie 2007. „Unsere Tarifempfehlung von 6,5 bis sieben Prozent steht“, sagte Schmoldt mit Blick auf die Ende Februar beginnenden Verhandlungen für die 550 000 Beschäftigten bei Chemiefirmen.

Damit steuert die Branche auf einen Konflikt darüber zu, wie die Tarifpolitik auf die vermehrten Wolken am Konjunkturhimmel reagieren soll. „Die Gewerkschaft hat ihre Forderung im Herbst unter dem Eindruck eines guten Jahres 2007 aufgestellt. Seither haben die Risikofaktoren deutlich zugenommen“, warnte Hans Paul Frey, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC). „Das kann man nicht einfach ignorieren“, sagte er dem Handelsblatt. Die schwächelnde US-Konjunktur berge generell Risiken, gerade für exportorientierte Branchen. Erst recht würden beispielsweise Hersteller von Bauhilfsstoffen durch die Kreditkrise und eine nachlassende Baukonjunktur belastet. Zwar gebe es keinen Anlass, von einer drohenden Rezession in der Branche zu sprechen. Wohl aber seien die Aussichten „deutlich gedämpfter als noch vor einigen Wochen“, sagte Frey.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat in seinem Anfang Dezember vorgelegten Ausblick für 2008 ein Produktionswachstum von 2,5 Prozent prognostiziert. Im abgelaufenen Jahr waren es noch 4,5 Prozent. Was die IG BCE argwöhnisch stimmt: Vor Jahresfrist hatte der VCI für 2007 nur zwei Prozent Plus prognostiziert – und damit im Rückblick deutlich zu wenig. Erst recht sieht Schmoldt daher keinen Grund, wegen der jüngsten Kurseinbrüche an der Börse nachzugeben: „Das ist vor allem ein Problem derer, die meinen, der Wert von Unternehmen bestimme sich nur über die Börse und habe nichts mit den Beschäftigten zu tun.“

Nach dem öffentlichen Dienst und der Stahlindustrie startet die Chemieindustrie als dritter großer Tarifbereich in die Lohnrunde 2008. Mit jeweils acht Prozent haben Verdi und IG Metall ihre Ziele sogar noch höher gesteckt als die IG BCE. Doch warnte Schmoldt vor falschen Schlüssen: „Wichtiger als die Höhe der Forderung ist, wie viel man davon durchsetzt.“ Einen „Kompromiss auf halber Höhe“ werde es nicht geben.

Neuen Rückenwind kann sich die Gewerkschaft erhoffen, wenn die großen Chemiefirmen demnächst ihre Geschäftszahlen für 2007 präsentieren. Einige, darunter BASF und Altana, haben bereits bestätigt, dass sie ihre Vorhersagen mindestens einhalten. Bei Bayer wird sogar ein neues Rekordjahr erwartet. Und beim Blick auf 2008 klingt der Branchenverband VCI nach wie vor eine Spur optimistischer als der BAVC: Etwas geringere Wachstumsraten seien „kein Beinbruch“, sagt VCI-Präsident Ulrich Lehner. Es gehe dann noch immer „auf hohem Niveau weiter aufwärts“.

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