Gewerkschaft will Lohnerhöhung an Arbeitgeber zurückzahlen
IG Bau: Prämie bei Kündigungsverzicht

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) will Baubetrieben bei einem Verzicht auf Kündigungen die erwartete Lohnerhöhung für das Jahr 2004 zurückzahlen. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel schlug einen Fonds vor, in den eine denkbare Lohnerhöhung von zwei Prozent eingezahlt werde.

HB BERLIN. Dies entspreche rund 300 Mill. Euro. Das Geld solle nach zwölf Monaten vollständig als Prämie an diejenigen Betriebe fließen, die ihre Belegschaft während dieses Zeitraums durchgehend beschäftigt haben. „Wir fordern nichts, sondern wollen den Arbeitgebern die vereinbarte Lohnerhöhung zurückgeben, wenn sie die Arbeitsplätze stabilisieren“, sagte Wiesehügel. Dies habe er den Verbänden von Baugewerbe und Bauindustrie in einem Spitzengespräch vorgeschlagen.

Der IG-Bau-Chef begründete sein Angebot einer faktischen Nullrunde für die Arbeitnehmer damit, dass die Praxis der massenweisen Kündigung während der auftragsarmen Wintermonate gestoppt werden müsse. Nach seinen Angaben schicken fast 30 % der Baubetriebe ihre Beschäftigten für mindestens vier Monate nach Hause und stellen sie im nächsten Frühjahr wieder ein. Im Zuge der Hartz-Reformen bekämen die Betroffenen künftig wesentlich weniger Geld vom Arbeitsamt. Ursache sind längere Anspruchsfristen für das reguläre Arbeitslosengeld. Deshalb erhalten saisonal arbeitslose Bauarbeiter jedes zweite Jahr nur das Arbeitslosengeld II auf Sozialhilfeniveau. Wiesehügel kritisierte, dass die Tarifpolitik zum Reparaturbetrieb für eine schief gegangene Sozialpolitik werde. Der Fonds für die Anreizprämie soll von den Sozialkassen der Bauwirtschaft verwaltet werden. Weitere 0,2 Prozentpunkte der Lohnerhöhung sollen in die Bekämpfung der Schwarzarbeit fließen.

Die Bauwirtschaft bewertete den Vorschlag Wiesehügels unterschiedlich. Es helfe nicht weiter, bei schlechter Auftragslage die Lohnkosten umzuverteilen, sagte Harald Schröer, Tarifexperte beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Er räumte unterschiedliche Interessen der ZDB-Mitglieder ein. Der Vorschlag sei attraktiv für diejenigen, die ihre Beschäftigten ohnehin halten, würde von den Betrieben, die sie entlassen müssten, aber abgelehnt. Die Bauindustrie dagegen äußerte sich positiv. Verbandssprecher Heiko Stiepelmann nannte das Gespräch mit der Gewerkschaft „sehr konstruktiv“, der Vorschlag einer Beschäftigungsprämie werde geprüft.

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