Gewerkschaften
IG-Metall-Vorstand kürt neues Führungsduo

Die IG Metall hat die Weichen für die Nachfolge von Gewerkschaftschef Jürgen Peters gestellt: Wie erwartet soll ihn sein Stellvertreter Berthold Huber beerben. Interessant ist die Kür des designierten Huber-Stellvertreters, die darauf hindeutet, dass die Modernisierer bei der Gewerkschaft fürs erste die Oberhand gewonnen haben.

HB FRANKFURT. An Hubers Seite soll auf Vorschlag des IG-Metall-Vorstands der bisherige nordrhein-westfälische Bezirksleiter Detlef Wetzel stehen. Er gilt als Wunschkandidat Hubers, der dem reformorientierten Flügel der Gewerkschaft zugerechnet wird. Als zweiter Vize-Kandidat stand der niedersächsische Bezirksleiter Hartmut Meine bereit, der eher als Traditionalist gilt wie der scheidende IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Peters war lange selbst Bezirkschef in Niedersachsen, bevor er in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt wechselte.

Peters sagte in Frankfurt, der Vorstand habe Huber einstimmig als neuen Vorsitzenden nominiert. Dem Vorschlag für Wetzel habe sich der Vorstand mit „überwältigender Mehrheit“ angeschlossen. Abstimmungsergebnisse nannte Peters nicht.

Zunächst hatte der aus sieben Mitgliedern bestehende geschäftsführende Vorstand am Vormittag über die Personalien beraten, anschließend der 40 Köpfe zählende Gesamtvorstand. Die abschließende Entscheidung treffen die Delegierten beim Gewerkschaftstag vom 4. bis 10. November in Leipzig.

Ausgleich für das Traditionslager

Als Ausgleich für das größere Gewicht der Reformer an der IG-Metall-Spitze soll Wolf-Jürgen Röder aus dem Vorstand ausscheiden. Er wird dem Huber-Lager zugerechnet. Für ihn soll Helga Schwitzer aus Niedersachsen gewählt werden. Kirsten Rölke (58) soll ausscheiden. Zusätzlich gestärkt wird das linke Lager durch Peters engen Vertrauten Hans-Jürgen Urban. Der bisherige Leiter der Bereichs Grundsatzfragen und strategische Planung soll auf dem Gewerkschaftstag in den Vorstand gewählt werden.

Die Entscheidung des Vorstands war angesichts des erbitterten Nachfolgekampfs bei der IG Metall vor vier Jahren mit Spannung erwartet worden. Seinerzeit hatte der damalige Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Zwickel Huber an seinem Vize Peters vorbei zum neuen Chef machen wollen. Der Vorstand wollte aber Peters als Ersten und Huber als Zweiten Vorsitzenden haben.

Nach dem verlorenen Streik zur Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie wollte Zwickel seinen Rivalen Peters zum Rücktritt drängen, was ihm nicht gelang. Daraufhin trat Zwickel zurück und machte den Weg für das Tandem Peters/Huber frei. Die Vereinbarung bewahrte die mit 2,3 Millionen Mitgliedern größte Industriegewerkschaft weltweit damals vor einer Spaltung. Peters wiederum ließ sich darauf ein, den Vorsitz der IG Metall im Herbst 2007 abzugeben.

Drei Kandidaten als NRW-Bezirksleiter im Gespräch

Mit der Nominierung des IG-Metall-Bezirksleiters Detlef Wetzel zum zweiten Vorsitzenden der Gewerkschaft beginnt in NRW die Suche nach einen Nachfolger. Nach Informationen der in Essen erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), gibt es drei aussichtsreiche Kandidaten: der Wuppertaler Bevollmächtigte Fritz Janitz, der Sekretär der NRW-Bezirksleitung, Michael Leßmann, und der Leiter der Abteilung Tarifpolitik beim Frankfurter Vorstand, Oliver Burkhard.

Leßmann war Bevollmächtigter in Bonn, ehe er zur Düsseldorfer Bezirksleitung wechselte. Dort galt er als Wetzels rechte Hand. Janitz zählt zu den erfolgreichsten Bevollmächtigten in NRW. Er intensivierte die Zusammenarbeit mit Betriebsräten und Belegschaften. Ihm gelang es auch, den Organisationsgrad der IG Metall in Wuppertal erheblich zu steigern. Burkhard gehört zum Lager der Modernisierer in der IG Metall. Der Leiter der Abteilung Tarifpolitik in der Frankfurter Zentrale vertritt eine pragmatische Tarifpolitik, die auch betriebliche Lösungen ermöglicht.

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