Gewerkschaften indirekt bestätigt: DIW-Studie: Das Lohngefälle in Deutschland nimmt zu

Gewerkschaften indirekt bestätigt
DIW-Studie: Das Lohngefälle in Deutschland nimmt zu

Die Debatten um Löhne nehmen kein Ende. Nach dem Top-Thema Mindestlohn fordert die IG-Metall nun 6,5 Prozent mehr Bezüge für die Beschäftigten. Eine aktuelle Erhebung zum Lohngefälle gibt der Gewerkschaft dabei Recht, auch wenn einiges mehr berücksichtigt werden muss.

(doh) DÜSSELDORF. Die Unterschiede bei den Stundenlöhnen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren gewachsen. Das geht aus Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Die Schere sei vor allem unter den Beziehern geringer Einkommen weiter auseinander gegangen, heißt es im Wochenbericht des Institutes. „In den letzten Jahren haben aber auch die Differenzen unter den Beziehern höherer Löhne zugenommen.“ In Ostdeutschland sei das Gefälle größer als in Westdeutschland, bei Bruttolöhnen stärker als bei Nettolöhnen.

Durch diesen Befund kann sich die IG Metall indirekt bestätigt sehen. Sie fordert in der bevorstehenden Tarifrunde 6,5 Prozent mehr Lohn für die 3,5 Millionen Beschäftigten und will der Arbeitgeberforderung nach einer weiteren Differenzierung der Löhne nach Branchen, Ertragszahlen und konjunktureller Lage nicht nachgeben. Heute beginnt zudem die erste zentrale Verhandlungsrunde der Gewerkschaft der chemischen Industrie, die traditionell flexiblen Lohnelementen aufgeschlossener gegenübersteht.

Viele Politiker und Ökonomen beklagen zu starre Lohnstrukturen in Deutschland. Deshalb hätten vor allem Geringqualifizierte Schwierigkeiten, bei dem gegebenen Lohnniveau eine Beschäftigung zu finden, argumentiert beispielsweise der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die fünf Weisen gestehen in ihrer Expertise über Kombilöhne zwar ein, dass die Lohnspreizung in einzelnen Gruppen zugenommen habe. Die Unterschiede seien hier zu Lande aber beispielsweise verglichen mit den USA immer noch deutlich geringer ausgeprägt

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Erforderlich sei eine weitere Aufspreizung der Lohnstruktur, „weil diese sowohl die Arbeitsnachfrage im Niedriglohnbereich erhöht als auch den Verdrängungswettbewerb zwischen Qualifizierten auf der einen und Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen auf der anderen Seite entschärft“, schreibt der Sachverständigenrat.

DIW-Wissenschaftler Karl Brenke bezweifelt allerdings die Aussage der OECD-Daten, auf die sich die Wirtschaftsweisen stützen. Die Lohnspreizung in Deutschland sei keineswegs gering, Determinanten der Entlohnung würden nicht hinreichend berücksichtigt. Und trotz der verstärkten Lohnspreizung im unteren Einkommensbereich falle es Geringqualifizierten in Deutschland immer noch schwerer, eine Beschäftigung zu finden, als in den meisten anderen entwickelten Ländern. Ob eine weitere Spreizung der niedrigen Löhne das Problem der hohen Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter behebe, sei deshalb „sehr fraglich“. Bei Personen mittlerer Qualifikation weise Deutschland innerhalb der EU auch eine überdurchschnittliche Erwerbslosenquote auf. „Es besteht offenbar ein generelles Beschäftigungsproblem, das nur durch ein höheres gesamtwirtschaftliches Wachstum deutlich gemildert werden kann“, sagt Brenke, der seine Aussagen auf Daten der Jahre 1996 bis 2005 des sozio-ökonomischen Panels stützt.

Insgesamt höhere Löhne – rund zehn Prozent mehr – zahlen Unternehmen mit Betriebsräten. Das ergibt eine gestern veröffentlichte ZEW-Studie, die Firmen mit ähnlichen Branchen- und Größenmerkmalen für 2001 verglichen hat.

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