Gewerkschaften
Schmoldt warnt vor Abkehr von der Kurzarbeit

Nach 14 Jahren an der Spitze der IG-BCE gibt Hubertus Schmoldt sein Amt nun ab. Der scheidende Gewerkschaftschef hat beim Bundeskongress der Gewerkschaft die Unternehmen davor gewarnt, von der bisherigen Linie der Jobsicherung per Kurzarbeit abzurücken.
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HANNOVER. Der scheidende Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt hat die Unternehmen vor einem Kurswechsel in Richtung Personalabbau gewarnt. "Wer meint, mit der Bundestagswahl sei die beschäftigungspolitische Schonfrist abgelaufen, der muss wissen, dass er mit unserer Gegenwehr zu rechnen hat", sagte er auf dem Bundeskongress der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in Hannover. Eine Sozialpartnerschaft, wie sie das Klima der Arbeitsbeziehungen in der chemischen Industrie in besonderem Maße prägt, sei nur auf der Grundlage eines "Gebens und Nehmens" möglich, betonte er.

Schmoldt, der im Januar 65 Jahre alt wird, gibt den IG-BCE-Vorsitz heute nach 14-jähriger Amtszeit ab. Als Nachfolger steht Michael Vassiliadis, 45, zur Wahl, der seit 2005 dem hauptamtlichen Vorstand angehört. Schmoldt reagierte mit seiner Mahnung auf Befürchtungen, die Unternehmen würden nach dem Wahlsieg von Union und FDP von ihrer bisherigen Linie einer Jobsicherung per Kurzarbeit abrücken. Gegebenenfalls müssten die von der Großen Koalition beschlossene Lockerung der Kurzarbeiterregeln noch einmal verlängert werden, forderte Schmoldt.

Die IG BCE spielt derzeit auch politisch eine wichtige Rolle. Zum einen stehen die Gewerkschaften bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wie auch bei Bundespräsident Horst Köhler derzeit ohnehin hoch im Kurs, da sie aus deren Sicht in der Wirtschaftskrise eine wichtige Rolle für das Gesellschaftsklima spielen. Zum anderen ist speziell die IG BCE wegen ihres konstruktiv-pragmatischen Ansatzes in der Politik als Dialogpartner besonders geschätzt.

Dies hatte zu Beginn des Kongresses der niedersächsische Regierungschef und CDU-Vize Christian Wulff exemplarisch deutlich gemacht. Die IG BCE habe einen "extrem hohen Stellenwert in diesem Land", lobte er. Sie sei eine "moderne Gewerkschaft" und vertrete "in besonderer Weise die von vielen reklamierte Mitte". Ähnlich äußerte sich der scheidende SPD-Chef Franz Müntefering, speziell an Schmoldt gerichtet: Anstatt der Politik "nur Forderungen hinzuschieben, warst Du immer einer, der selbst Lösungen sucht."

Neben dem Wechsel an der Spitze stehen bei der IG BCE heute weitere wichtige Personalveränderungen an: Wie Schmoldt tritt auch Vorstandsmitglied Werner Bischoff, 61, nicht wieder an. Bischoff hat seit 1997 die IG-BCE-Tarifpolitik geprägt, die früh auf Korridorregelungen und betriebliche Differenzierungsklauseln setzte. Designierter Nachfolger ist Peter Hausmann, 55, der seit 2005 den IG-BCE-Landesbezirk Nordrhein-Westfalen leitet und zuvor bereits in der Tarifabteilung beim Hauptvorstand tätig war.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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