Gewerkschaften sehen Verdrängungs- und Umschichtungseffekte
Minijobwunder gibt noch viele Rätsel auf

Rund 8000 Anrufer registriert die Minijobzentrale der Bundesknappschaft täglich. Das Interesse an den für Arbeitnehmer abgabenfreien 400-Euro-Jobs ist ungebrochen. Die seit dem 1. April geltende Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung hat im Niedriglohnbereich ein kleines Beschäftigungswunder ausgelöst.

DÜSSELDORF. Wie ein Sprecher des Bundessozialministeriums bestätigte, ist die Zahl geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse in den vergangenen drei Monaten auf knapp 6,4 Mill. gestiegen. Dies seien 600 000 mehr als im Vorquartal. Man könne bei den Minijobs von einer Erfolgsgeschichte sprechen, sagte der Sprecher. Und trotzdem gibt der Zuwachs bei den kleinen Jobs weiter so manches Rätsel auf.

Die gesetzliche Neuregelung hat Minijobs attraktiver gemacht. Zwar hat sie für Arbeitgeber die von ihnen zu entrichtende Pauschalabgabe auf Minijobs leicht von 22 auf 25 % des Entgelts erhöht, aber dafür wurden die Bürokratielasten deutlich verringert. Die Abgaben werden nur noch an eine zentrale Stelle, die Minijobzentrale, gezahlt. Wächst der Arbeitnehmer in die Gleitzone (Midijobs) bis 800 Euro hinein, die sich an die 400-Euro- Grenze anschließt, zahlt der Arbeitgeber nur 21 %.

Für Arbeitnehmer hat sich nicht nur die Grenze des von Abgaben freien monatlichen Verdienstes von zuvor 325 auf 400 Euro erhöht. Noch mehr zählt, dass ein Minijob vom Arbeitnehmer wieder abgabenfrei neben einer Hauptbeschäftigung ausgeübt werden kann. Diese Befreiung der Neben-Minijobs war mit der Reform der geringfügigen Beschäftigung im Jahr 1999 abgeschafft worden. Im Hotel- und Gaststättengewerbe hatten daraufhin mehr als 100 000 Minijobber gekündigt. Für sie lohnte sich der Zweitjob nicht mehr. Auch im Gebäudereinigerhandwerk, das wie der Handel zu den großen Minijob-Arbeitgebern zählt, kam es zu einer Kündigungswelle. Während Bundessozialministerin Ulla Schmidt und ihre nordrhein-westfälische Kollegin Birgit Fischer (beide SPD) über den Maxi-Erfolg der Minijobs jubeln, konstatieren die von der 99er-Reform geschädigten Branchen nüchtern, die Bundesregierung habe lediglich einen von ihr selbst verschuldeten Fehler korrigiert.

Allerdings kann die Zahl der geringfügig Beschäftigten nicht überwiegend durch abgabenfreie Zweitjobs in die Höhe getrieben worden sein. Unter den 930 000 per Ende Juni zusätzlich geschaffenen Minijobs waren nach den Feststellungen der Bundesknappschaft lediglich 171 000, die als Nebentätigkeit ausgeübt wurden.

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