Gewerkschaften, Union und Grüne äußern zum Teil harsche Kritik.
Wirtschaft und Regierung: Ausbildungspakt erneut erfolgreich

Trotz einer Lücke von derzeit rund 144 000 Lehrstellen werten Regierung und Arbeitgeber den Ausbildungspakt weiter als Erfolg und stellten bis Jahresende für jeden Bewerber ein Angebot in Aussicht.

HB BERLIN. Zwar sei die Lehrstellenlücke derzeit größer als im Vorjahr, in den nächsten Monaten werde es aber noch viel Bewegung geben, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Mittwoch nach einem Treffen der Partner des Ausbildungspakts. Der Markt gebe noch viel her: Etwa 51 000 Stellen seien derzeit frei. Die Wirtschaft werde ihre Zusagen trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage einhalten.

Auch Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement äußerte sich optimistisch: „Wenn alles gut geht, dann könnten wir Anfang Oktober zum Beginn des Ausbildungsjahres besser sein als im Vorjahr.“ Er rechne dann mit einer Lehrstellenlücken von leicht unter 30 000, sagte der SPD-Politiker. Diese Jugendlichen sollen durch gemeinsame Anstrengungen bis zum Jahresende vermittelt werden.

Durch die gemeinsamen Anstrengungen habe man diesmal 39 800 neue Lehrstellen gewinnen können - 27 800 im Bereich der Industrie- und Handelskammern sowie 12 000 im Handwerk, hieß es weiter. Angaben der Gewerkschaften über bis zu 300 000 fehlende Ausbildungsplätze bezeichneten die Vertreter der Wirtschaft wie auch Clement als unzutreffendes Horrorgemälde und als nicht nachvollziehbar.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nannte den Ausbildungspakt dagegen auf ganzer Linie gescheitert. Auch die CDU/CSU- Bildungspolitikerin Katherina Reiche (CDU) sagte, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sei dramatischer als je zuvor. Die Grünen äußerten sich ebenfalls kritisch und verlangten von der Wirtschaft eine selbst organisierte Umlage, die ausbildungsunwillige Firmen zahlen sollten.

Sorgen bereiten der Wirtschaft wie der Bundesregierung die nach wie vor mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber. Nach wie vor habe ein großer Teil keinen Schulabschluss oder sei nur schwer in die Betriebe integrierbar oder lasse Pünktlichkeit vermissen. Arbeitgeber-Chef Dieter Hundt bezeichnete es als „Unding“, dass die Bundesagentur für Arbeit derzeit 200 000 Schulabgängern eine Berufsvorbereitung bezahlen müsse.

Die Wirtschaftsvertreter wie auch Clement forderten mehr Tarifverträge mit verbindlichen Regeln über zusätzliche Lehrstellen. Als Vorbild gilt dafür der Vertrag in der Chemie-Industrie. Verpflichtet sich ein Unternehmen zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze, kann in Absprache mit Betriebsrat und Gewerkschaft die Lehrlingsvergütung eingefroren oder auch flexibler gestaltet werden.

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