Gewerkschaften: Wieder mehr Arbeitnehmer in Gewerkschaften

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Wieder mehr Arbeitnehmer in Gewerkschaften

Einer neuen Studie zufolge ist die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer wieder leicht gestiegen. Die Untersuchung bleibt beim Blick in die Zukunft aber eher skeptisch was den Gewerkschaftseinfluss angeht.
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HamburgDie deutschen Gewerkschaften haben das Abschmelzen ihrer Mitgliederbasis unter den Arbeitnehmern stoppen können. Der Organisationsgrad unter den berufstätigen Arbeitern, Angestellten und Beamten lag 2012 bei 20,6 Prozent und damit wieder leicht über dem historischen Rekordtief von 2006 (18 Prozent), wie aus einer am Dienstag vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln veröffentlichten Untersuchung hervorgeht.

Die Experten des arbeitgebernahen Instituts äußerten sich zugleich aber betont zurückhaltend darüber, ob die von ihnen festgestellte „Trendwende“ eine neue Phase gewerkschaftlichen Einflusses einläuten könnte. „Trotz unbestreitbarer Stabilisierungserfolge stehen die Gewerkschaften organisationspolitisch vor großen Aufgaben“, schrieben die Autoren in der Untersuchung.

Demnach gewannen die Gewerkschaften Zuspruch vor allem unter männlichen Arbeitnehmern, die älteren Jahrgängen angehören, vollzeitbeschäftigt sind und zu den Beamten oder Facharbeitern zählen. Dabei handle es sich aber ausgerechnet um Gruppen, deren Beschäftigtenanteile im Zuge der wirtschaftlichen und demografischen Trends „tendenziell sinken“, mahnten die Forscher in ihrer Studie.

Gelinge es den Arbeitnehmer-Großorganisationen nicht, in „Zukunftsbranchen“ und neuen Berufsgruppen Fuß zu fassen, würden sie nicht mehr als die repräsentative Vertretung der Arbeitnehmerschaft wahrgenommen. Das werde dann ihren Einfluss auf die Politik reduzieren.

Problematisch für die Gewerkschaften sei insbesondere ein unterdurchschnittlicher Frauen-Zulauf, da künftig in typischerweise von diesen dominierten Berufsfeldern wie dem Gesundheits-, Sozial- und Erziehungswesen mehr Jobs entstehen würden als im von Männern beherrschten Sektoren wie dem produzierenden Gewerbe, schrieben die IW-Experten.

Auch unter Teilzeitbeschäftigten und in Kleinbetrieben bleibe der Organisationsgrad schwach. Langfristig stünden die Gewerkschaften zudem vor dem Problem, dass die gewerkschaftlich gut organisierten älteren Jahrgänge in Rente gingen. Ersatz fehle dann.

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