Gewerkschaftschef mit 94 Prozent wiedergewählt
IG Bau gibt Wiesehügel Mandat für Neuanfang

Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat sich im Ringen um eine Neuausrichtung hinter ihren Chef Klaus Wiesehügel gestellt. Vor dem Hintergrund drastischer Mitgliederverluste und geschwächter Gewerkschaftsfinanzen wurde er auf dem IG-Bau-Kongress in Bonn am Dienstag mit 94,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Der 52-Jährige erhielt damit gut fünf Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren und erzielte zugleich das beste Ergebnis seiner bisher zehnjährigen Amtszeit.

dc BERLIN. Bereits im Vorfeld des Kongresses hatte Wiesehügel eingeräumt, dass die IG Bau ihre tarifpolitische Handlungsfähigkeit zu verlieren drohe. Abgesehen von der allgemeinen Krise am Bau hat dies nach seiner Diagnose auch mit deutlichen Mängeln bei der Mitgliederwerbung und -betreuung vor Ort zu tun. Daher sei die IG Bau derzeit zuwenig in den einzelnen Betrieben verankert. „Ich wäre froh, wenn alle kampfbereit wären“, sagte Wiesehügel nach seiner Wiederwahl.

Dahinter steht die konkrete Sorge, dass der Flächentarifvertrag für den Bausektor am Ende sein könnte und die IG Bau künftig verstärkt für Firmentarifverträge streiten muss. Nach dem bereits ungewöhnlich zähen Verlauf der jüngsten Tarifrunde sei es zumindest ungewiss, ob es 2007 oder 2008 noch einen branchenweiten Abschluss geben könne. „Wenn weiter so ein mörderischer Wettbewerb tobt, werden wir keinen Flächentarif mehr haben“, warnte er die Delegierten.

Unter dem Druck der Bau-Krise hat die Gewerkschaft bereits 2003 eine tarifliche Öffnungsklausel akzeptiert, nach der Betriebe und Belegschaften das Weihnachtsgeld ohne Zustimmung der Gewerkschaft auf einen Mindestbetrag senken können. Faktisch führte dies quer durch die Branche zu einer Senkung des Tarifniveaus. Mit dem Ende Juli erzielten Tarifabschluss akzeptierte die IG Bau zudem eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 40 Stunden.

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