Gewerkschaftsmitglieder
AUB hat den freien Fall gebremst

Nach dem Siemens-Schmiergeldkandal haben ein Viertel der Mitglieder der AUB, dem Zusammenschluss unabhängiger Betriebsräte, den Rücken gekehrt. Rund 7 500 Beschäftigte sind noch dabei, darunter 3 000 Betriebsräte. Sie glauben weiterhin an die Idee einer unabhängigen Arbeinehmerorganisation und versuchen nun einen Neuanfang.

MÜNCHEN. Grüner Parka, das Gesicht unrasiert und die braunen Haare zum Zopf zusammengebunden: So sehen Männer aus, die auf Unabhängigkeit Wert legen. Rainer Knoob, Fan des Hamburger Kiezvereins St. Pauli, könnte vom Outfit auch als Barrikadenkämpfer durchgehen. Doch weil ihm Unabhängigkeit so wichtig ist, hat sich der 41-jährige Facharbeiter bewusst keiner klassenkämpferischen Gewerkschaft angeschlossen, sondern ist vor 15 Jahren der AUB beigetreten, dem Zusammenschluss unabhängiger Betriebsräte. Die Organisation ist im Zuge des Siemens-Schmiergeldskandals ins Zwielicht geraten. Knoob will als AUB-Vorsitzender nun dafür kämpfen, dass die Arbeitnehmer-Organisation eine Zukunft hat.

Der Funktionär ist überzeugt, dass die Idee einer gewerkschaftsunabhängigen Arbeitnehmerorganisation eine Zukunft hat. So wie er waren in den vergangenen Jahren etwa 10 000 Beschäftigte der AUB beigetreten. Mit IG Metall, DAG oder Verdi hatten sie nichts am Hut, wollten sich aber trotzdem betrieblich engagieren. So entstand aus dem zunächst losen Zusammenschluss AUB eine immer größere Organisation. Bis es im Februar 2007 zum großen Knall kam. Da wurde AUB-Chef Wilhelm Schelsky verhaftet, weil er Millionen vom Technologiekonzern Siemens kassiert haben soll. Eine Arbeitnehmerorganisation, die zu einem guten Teil von einem Multi finanziert worden sein soll, das schien der Anfang vom Ende der AUB.

Wären da nicht Leute wie Rainer Knoob. Der Airbus-Betriebsrat wollte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, den etablierten Gewerkschaften in den Betrieben das Feld kampflos zu überlassen. „Die Idee ist bis heute richtig.“ So ließ er sich vergangenen Sommer zum Bundesvorsitzenden wählen.

Ein Viertel der Mitglieder haben der AUB nach dem Skandal den Rücken gekehrt. Rund 7 500 Beschäftigte sind noch dabei, darunter 3 000 Betriebsräte. „Der Abwärtstrend ist deutlich abgebremst“, sagt Geschäftsführer Gottfried Linn. Inzwischen gebe es sogar wieder eine Reihe von neuen Beitritten. Die Kosten hat die Organisation drastisch reduziert, die Geschäftsstellen im Lande wurden geschlossen. Schelsky hatte einst – offenbar mit dem Siemens-Geld – die Personalkosten übernommen.

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