Gewerkschaftstag wird vorgezogen
IG Metall drängt auf schnelles Ende der Führungskrise

Die IG Metall hat dem Druck der Basis nachgegeben und will ihren wochenlangen Führungsstreit jetzt früher als geplant beilegen. Der ursprünglich Mitte Oktober geplante Gewerkschaftstag solle in Teilen auf Ende August vorgezogen werden, um dann bereits eine neue Führung zu wählen, kündigte der scheidende Gewerkschaftschef Klaus Zwickel am Montag in Frankfurt an.

Reuters FRANKFURT. „Die IG Metall will eine rasche Klärung, keine weitere wochenlange Lähmung“, sagte Zwickel nach einer Sitzung des aus zehn Mitgliedern bestehenden geschäftsführenden Vorstands. Der IG-Metall-Chef betonte, der Machtkampf sei kein Streit zweier alter Männer, sondern eine Entscheidung über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Gewerkschaft. Er räumte ein, dass es erstmals in der Geschichte der Gewerkschaft bei der Wahl des Vorsitzenden zu einer Kampfabstimmung kommen könne.

Der erste Teil des Gewerkschaftstages soll am 30. und 31 August im Rhein-Main-Gebiet stattfinden, Teil zwei Mitte Oktober wie geplant in Hannover. Ein außerordentlicher Gewerkschaftstag, wie er gefordert wurde, hätte im Gegensatz jetzt gefundenen Lösung bedeutet, dass der neue Vorstand von den knapp 600 Delegierten des Gewerkschaftstages 1999 gewählt worden wäre und zugleich im Oktober vom regulären Gewerkschaftstag nochmals hätte bestätigt werden müssen.

Der 41 Mitglieder zählende Hauptvorstand der IG Metall soll bereits am Mittwoch kommender Woche (23. Juli) in Frankfurt nach einem neuen Personalvorschlag für die neue Führung suchen. Allerdings ist nach den Worten Zwickels offen, ob dies gelingen wird. Dem ursprünglich ausgehandelten Kompromiss zufolge sollte Zwickels Stellvertreter Jürgen Peters dessen Nachfolge antreten und der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber Zweiter Vorsitzender werden.

Im Zuge der Zerwürfnisse nach der Streikniederlage in Ostdeutschland wurde Peters mehrfach zum Verzicht aufgefordert, was der 59-Jährige aber nach wie vor ablehnt. Der von Zwickel favorisierte Huber hatte vorige Woche auf jegliches Führungsamt verzichtet. Trotz mehrerer Aufforderungen von Betriebsräten aus seinem Bezirk hat Huber seine Entscheidung bisher nicht revidiert. Auch am Montag blieb offen, wer aus dem Lager der so genannten Reformer um Huber möglicherweise gegen Peters antreten wird. Ebenso wenig ist es Peters bisher gelungen, einen neuen Kandidaten für den Stellvertreterposten zu gewinnen, der mit ihm gemeinsam als strömungsübergreifendes neues Tandem antritt.

Mehrfach wurden zwar öffentlich bereits Namen von möglichen Gegenkandidaten gehandelt, meist jedoch ohne große Resonanz. Eine Kandidatur des am Wochenende ins Spiel gebrachten Audi-Arbeitsdirektors Horst Neumann sei äußerst unwahrscheinlich, hieß es in IG-Metall-Kreisen am Montag. „Das mag ein gut gemeinter Vorschlag sein, aber das schließe ich aus“, sagte ein hochrangiger süddeutscher IG Metall-Funktionär. Audi lehnte einen Kommentar ab. Neumann war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch das Angebot des norddeutschen Bezirkschefs und Peters-Gegners Frank Teichmüller, notfalls bereit zu stehen, fand bislang außerhalb seines Bezirks keinen Widerhall. Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer betonte, die IG Metall müsse ihren künftigen Chef in jedem Fall in den eigenen Reihen zu suchen. Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine ging davon aus, dass Peters weiterhin gute Chancen für eine Mehrheit hat. Es sei aber wichtig, einen geeigneten Kandidaten für den Stellvertreterposten zu finden, der die Vielfalt in der IG Metall widerspiele, sagte Meine im NDR.

Der Vorstandschef des Reifenherstellers und Autozulieferers Continental, Manfred Wennemer, dessen Belegschaft etwa je zur Hälfte von der IG Metall und der Chemiegewerkschaft IG BCE vertreten wird, sieht die Krise der Metall-Gewerkschaft als Chance an. „Die werden sich jetzt ändern müssen, sonst sie weg vom Fenster“, sagte Wennemer in Hannover. Die Erfahrungen bei Conti seien eindeutig. „Mit der IG BCE, die eine starke Gewerkschaft ist, können Sie reden, mit der IG Metall nicht. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%