Gewinner und Verlierer
Der Erbschaftsteuer-Kompromiss im Schnelltest

Wer profitiert von dem Erbschaftsteuer-Kompromiss der Großen Koalition, wer leidet darunter? Das haben die Experten der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) für das Handelsblatt in einen Schnellcheck untersucht.

DÜSSELDORF. "Für die meisten Fälle ist der Kompromiss eine akzeptable Lösung", sagt PWC-Partner Lothar Siemers. Ein Beispiel: Erben drei Kinder das Familienvermögen - etwa Wertpapiere und Festgeldkonten in Höhe von 2,1 Millionen Euro - musste bisher jedes Kind 74 250 Euro an den Fiskus zahlen. Kommendes Jahr werden nur noch 33 000 Euro fällig. Die effektive Belastung sinkt von 10,6 auf 4,7 Prozent. Bei vernünftiger Nachlassplanung könnten Ehepaare alle zehn Jahre 800 000 Euro auf jedes Kind steuerfrei übertragen, bislang lag die Grenze bei 410 000 Euro.

Die Zeche zahlen müssen dagegen Erben, die nicht in direkter Linie mit dem Erblasser verwandt sind. Erben etwa drei Neffen 2,1 Millionen Euro, musste bislang jeder 186 219 Euro Steuer zahlen, ab 2009 werden es 204 000 Euro sein. Die effektive Last steigt von 26,6 auf 29,1 Prozent.

Als generelles Problem gelten Betriebe. Während die Erben von Geld und Konten liquide sind, so dass sie die Erbschaftsteuer entrichten können, ist es Erben von Betriebsvermögen nicht ohne weiteres möglich, einen Teil des Erbes an das Finanzamt zu überweisen. Dessen war sich die Koalition durchaus bewusst. Daher wurden die alten Begünstigungen für Betriebserben durch neue ersetzt. Die Idee dahinter: Wer ein Unternehmen mindestens sieben Jahre in bisheriger Form fortführt, soll weitgehend von der Steuer befreit werden. Wer aber Kasse macht, soll zahlen.

Erbt eine Tochter einen Familienbetrieb im Wert von 20 Millionen Euro und verkauft ihn sofort weiter, muss sie künftig knapp 5,3 Millionen Euro an den Fiskus zahlen - mehr als doppelt so viel wie nach bisherigem Recht. Denn Betriebe sollen künftig marktnah bewertet werden, wie es das Verfassungsgericht vorgeschrieben hat.

Führt die Tochter den Betrieb aber mindestens sieben Jahre weiter, muss sie künftig nur noch 494 000 Euro Steuer zahlen. Voraussetzung dafür ist, dass die Lohnsumme in den sieben Jahren mindestens 650 Prozent der Anfangslohnsumme beträgt. Unklar sei bislang, wie ein Verstoß gegen diese Regel sanktioniert werde, sagt PWC-Vorstand Norbert Winkeljohann. Ein anteiliger Verlust des Verschonungsabschlags sei akzeptabel, eine "Fallbeillösung" eine Katastrophe.

Theoretisch kann der Firmenerbe seine Steuerlast sogar auf Null drücken. Doch ist dies eine "Placebo-Lösung", meint Siemers.

Das größte Probleme sehen die PWC-Experten allerdings nicht in der Steuer selbst, sondern in der Unternehmensbewertung: "Bei mehreren Dutzend Gesellschaftern stirbt oder verschenkt immer einer - und das nicht unbedingt am 1. Januar", so Siemers. Damit müssten große Personengesellschaften künftig permanent ihren Wert ermitteln. Das koste jährlich leicht "einen mittleren fünfstelligen Betrag." Völlig unklar sein, wer die Kosten dafür trage. asr

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