Gipfeflitis
Gipfelitis geht Merkel auf die Nerven

Es hätte die Woche der Gifpel werden können. Doch Bundeskanzlerin Merkel hat eines der drei für diese Woche geplanten Spitzentreffen gestrichen. Auf Druck des Kanzleramtes musste das zwischen Wirtschaftsminister zu Guttenberg und der Wirtschaftselite geplante Treffen verschoben werden. Nun dürfte Merkels Gipfel zur Entgiftung der Bankbilanzen im Fokus des medialen Interesses stehen.

BERLIN. Gleich drei Spitzentreffen an drei aufeinanderfolgenden Tagen standen auf dem Programm der Bundesregierung: Montag, Dienstag, Mittwoch - einmal zum Thema Kreditgewährung an die Wirtschaft, einmal zum Thema Entgiftung der Bankbilanzen und schließlich - als krönender Abschluss - ein Treffen zur konjunkturellen Entwicklung schlechthin. Doch nun wurde abgespeckt: Auf sanften Druck des Kanzleramts strich das Wirtschaftsressort das für heute vorgesehene Gespräch der Finanzbranche mit der Wirtschaft aus dem Wochenplan.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wollte die Verbände der Kreditwirtschaft, der Realwirtschaft, Vertreter einzelner Unternehmen und natürlich der staatlichen KfW an einen Tisch bringen, um Lösungen für ein drängendes Problem zu finden: Wie lässt sich sicherstellen, dass Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten bei entsprechender Bonität möglichst rasch an frisches Geld kommen?

Die Unternehmen klagen seit Wochen, die Banken ließen sie im Stich und seien bei der Gewährung frischer Mittel zu restriktiv. Die Kreditbranche weist das natürlich weit von sich. Das Ministerium wollte heute zwischen den Kontrahenten vermitteln. Daraus wird vorerst nichts.

Offiziell heißt es, die Häufung der Termine in einer Woche sei nicht vermittelbar gewesen. Schon hätten Teilnehmer nachgefragt, ob es wirklich erforderlich sei, an drei Tagen hintereinander in Berlin zu erscheinen. Und dass das Vertrauen der Bürger in die Politik von Gipfel zu Gipfel wüchse, glaubt wohl auch niemand mehr.

Dabei tut ein klärendes Gespräch zwischen Realwirtschaft und Finanzbranche, moderiert vom Wirtschaftsminister, durchaus not. Das belegt ein Blick in die jüngst vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vorgelegte repräsentative Umfrage unter mehr als 20 000 Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und rund 500 Großunternehmen mit jeweils mehr als 1 000 Beschäftigen zum Thema Finanzierungsbedingungen. Das Resultat: Es kneift an allen Ecken und Enden - quer durch alle Größenklassen: "Die Finanzierungssituation vieler Unternehmen ist angespannter denn je", heißt es in der Zusammenfassung der Umfrageergebnisse.

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