Gipfel an der Ostsee
Hollande und Merkel in einem Boot – für zwei Stunden

Frankreichs Staatschef und die Kanzlerin treffen sich zu Bootsfahrt und Polit-Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei geht es um die neue EU-Kommission, den Alstom-Verkauf und die Ukraine-Krise.
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In ihrem Bundestagswahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern trifft sich die Kanzlerin Freitag und Samstag mit François Hollande. Das Programm liest sich, als wäre es für einen Touristenausflug angelegt: Am Freitagnachmittag wandern beide in Saßnitz zum Fährhafen, fahren zwei Stunden mit einem Boot über die Ostsee und landen auf der Insel Rügen. In Binz spazieren sie zur Villa Salve, einem Restaurant, das auf Tripadvisor überwiegend als „mittelmäßig“ bewertet wird. Die jüngste Kritik spricht von einem Gastro-Erlebnis, „das gehörig daneben ging.“ Da ist zu hoffen, dass sich der Koch für das gemeinsame Abendessen von Merkel und Hollande deutlich mehr ins Zeug legt.

Am nächsten Morgen flanieren Kanzlerin und Präsident durch Stralsund, besuchen eine Kirche, zeigen sich auf dem Marktplatz den Bürgern, tragen sich im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein und geben zum Abschluss ein auf zehn Minuten begrenztes Pressestatement ab. Dann reist Hollande wieder ab.

Was soll ein solcher Besuch, fragt man sich. Die Antwort ist ganz einfach: Merkel und Hollande werden viele Stunden haben, um von der neuen EU-Kommission über den Verkauf von Alstom bis zu den Spannungen mit Russland alle anliegenden Fragen zu erörtern, ohne durch den knappen Ablaufplan eines Gipfels oder einer der routinemäßigen, eng durchgetakteten Regierungskonferenzen eingezwängt zu sein. Sie werden das tun, was ein wenig selten geworden ist: die langen politischen Linien für ihre Zusammenarbeit gründlich diskutieren.

Seit zwei Jahren müssen die beiden miteinander auskommen. Von der Sparpolitik in der Eurozone bis zum Konflikt in Syrien, wo Hollande militärisch intervenieren wollte, haben sie sich in vielen Fragen aneinander gerieben. Sie können sich mittlerweile gut einschätzen und wissen, was geht und was nicht. Hollande hat noch exakt drei Jahre im Amt vor sich, Merkel etwas länger, falls sie nicht vorher an ihre mögliche Nachfolgerin Ursula von der Leyen übergibt. Einen so weiten Zeithorizont gibt es selten. Zugleich müssen  die beiden liefern, vor allem dafür sorgen, dass die Eurozone nicht wieder in eine lebensbedrohende Krise wie die der vergangenen Jahre rutschen kann.

Kommentare zu " Gipfel an der Ostsee: Hollande und Merkel in einem Boot – für zwei Stunden"

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  • Zitat : Hollande und Merkel in einem Boot – für zwei Stunden

    - da sie jetzt abgenommen hat ( der Arschumfang wird wohl kleiner sein ) und der kleine Froschschenkelfresser ihre Falten übersieht......kann er evtl. noch drauf hüpfen !

    2 Stunden reichen da völlig aus !

    .

  • "Baquette" und "Mischbrot" in einem Boot. Schade, dass ich kein Sägefisch bin. Sie hätten keine Chance.:-)

  • Merkel ist in einer Zwickmühle: Will sie, daß sich die französische Wirtschaft sich erholt, unterstützt sie damit auch einen möglichen Wahlerfolg ein ungeliebten Sozialisten - und dann muß sie Hollande auch noch Zugeständnisse machen, was wiederum bei den Deutschen gar nicht gut ankommt. Bleibt sie hart und fordert weiterhin harte Reformen, wird Deutschland wieder zum Buhmann gemacht, für die Dinge, die eigentlich Sache Hollandes wären.
    Dabei wäre die Lösung so einfach: Beide Länder raus aus dem Euro - dann wäre man auch nicht mehr auf Gedeih und Verderb zusammengekettet.
    In letzter Zeit habe ich mich gefragt, wieviel von der EU noch bliebe, wenn die größten Nettozahler raus gingen? Vermutlich NICHTS, denn glaubt ein Mensch, daß auch nur ein einziger Franzose für einen Griechen oder Italiener geradestehen würde? Umgekehrt genau so wenig. Das ganze EU-System steht und fällt mit Deutschland. Ironie des Schicksals: Die Franzosen wollten es so und gehen jetzt daran zugrunde.

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