Gleichbehandlung
Grüner gegen Rentenvorteile für Ostdeutsche

Der Rentenexperte der Grünen, Wolfgang Strengmann-Kuhn, will ost- und westdeutsche Arbeitnehmer in der Rentenversicherung künftig gleich behandeln. Damit könnten die Renten für Ostdeutsche sinken.
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BerlinDer Rentenexperte der Grünen im Bundestag, Wolfgang Strengmann-Kuhn, ist gegen die Vorteile für Arbeitnehmer in Ostdeutschland bei der Rente. In der „BILD“-Zeitung sprach er sich für eine baldige Angleichung des Rentenrechts in Ost und West und eine Abschaffung der Höherwertung der Löhne bei der Rentenberechnung aus. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, die Arbeitnehmer bei der Rente gleich zu behandeln“, sagte Strengmann-Kuhn.

Renten-Vorteile für Ost-Arbeitnehmer wegen der niedrigeren Löhne seien „nicht mehr zeitgemäß“. „Es gibt auch keinen Ausgleich für Lohndifferenzen zwischen Schleswig-Holstein und Bayern.“ Seit der Wiedervereinigung werden die Ost-Löhne bei der Rentenanwartschaften künstlich hochgewertet. Dadurch erhält ein Beschäftigter im Osten bei gleichem Lohn bis zu fünf Prozent mehr Rente pro Jahr als im Westen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Leider habe ich den Eindruck, dass Ostdeutsche Bürger mehr über die Landsleute im Westen wissen als umgekehrt. Die DDR war zwar sozialistisch und sozial sehr gut aufgestellt, dennoch hatte kein Normalbürger das Privileg, diese Leistungen kostenlos zu nutzen. Genau wie im Westen Deutschlands haben die Menschen im Osten von ihrem Einkommen Krankenkassenbeiträge, Rentenversicherungsbeiträge und auch Lohnsteuern gezahlt. Es gab sogar eine sogennante FZR (Freiwillige Zusatzrentenversicherung). Damit erhöhte sich der Rentenanspruch entsprechend (Heute erfindet man das als private Altersvorsorge!). Somit hat jeder berufstätige DDR Bürger in die Rentenkasse einbezahlt und hat somit das RECHT auch seine Rente zu beziehen. Vielleicht sollten sich einige Westdeutsche mit den tatsächlichen Lebensverhältnissen in der DDR beschäftigen, ehe sie Stellung zu Meinungsäußerung anderer beziehen und sich damit völlig plamieren.

  • Wolfgang Strengmann-Kuhn geht wohl irrtümlich davon aus, dass die wirtschaftliche Angleichung Ostdeutschlands abgeschlossen sei. Als Mitglied des Deutschen Bundestages müsste er es besser wissen: seit ca. 10 Jahren ist die Aufbaudynamik weitgehend zum Erliegen gekommen. In der Fläche ist das Arbeitsangebot weit niedriger als nach den beiden Weltkriegen und den Wirtschaftskrisen der 20iger Jahre. Junge Leute wandern ab und schließen die demografischen Lücken in den Altländern. Beide Faktoren sind für die Herbeiführung eines selbststragenden Aufschwungs hinderlich. Damit fehlt langfristig nicht nur die entscheidende Voraussetzung für das Finanzieren von Renten auf Minimalniveau. Der Aufbau Ost hat ca. 1,3 Bio Euro gekostet und wurde vollständig durch Neuverschuldung finanziert. Die Lasten der dt. Einheit tragen also in Wirklichkeit unsere Kinder und Enkel in Ost und West. So ist das Rentenproblem nur eines unter vielen. Deshalb erscheint die kritische Beschäftigung mit Symptomen seitens Strengmann-Kuhn nur dann hilfreich zu sein, wenn er zu den Ursachen vordringt. Hilfreich könnte die Analyse des Aufbaues in Polen, Tschechien, China und sogar der Türkei sein, weil die dortige Wirtschaftsprosperität von stabilen zweistelligen Zuwachsraten (völlig ohne Transfers) getragen wird. Falls sich MdB Strengmann-Kuhn dafür engagiert, wird er Besseres erreichen können, als die Vertiefung der Kluft zwischen Ost und West.

  • Ihre Argumentation hat einen entscheidenden Fehler: Die "Rentner im Osten" haben vor der Wende gar nichts in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt, werden aber trotzdem versorgt! Vor diesem Hintergrund ist m.E. durchaus ein wenig Zurückhaltung bei der Forderung nach höheren Ost-Renten geboten.

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