Gleichberechtigung
Deutschland fällt zurück

In Skandinavien ist die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern am weitesten fortgeschritten. Vier Länder aus der Region, mit Island an der Spitze, führen die vom Weltwirtschaftsforum (WEF) erstellte Rangliste an. Die Bundesrepublik rutschte im Vergleich zum Vorjahr dagegen um einen Platz auf Position zwölf ab.
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GENF. "Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren im Ranking kontinuierlich verschlechtert", teilte das WEF am Dienstag bei der Präsentation der Daten mit.

Der Indikator misst das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern auf den Feldern "Teilhabe am Geschäftsleben und ökonomische Chancengleichheit", "Bildungsniveau", "Teilhabe am politischen Leben" sowie "Gesundheit und Lebenserwartung".

Den Abstieg Deutschlands erklären die Genfer Spezialisten mit einem höheren Tempo bei der Realisierung der Gleichberechtigung in anderen Staaten: "In der Bundesrepublik schließt sich die Chancen-Kluft zwischen Männern und Frauen nicht so schnell wie etwa in Island." Selbst die Besetzung des Topjobs in der deutschen Regierung mit Angela Merkel vereitelt nicht das relativ unbefriedigende Abschneiden. Auch die USA rutschten um drei Plätze auf Rang 31 ab. In den USA ging vor allem die Beteiligung der Frauen am Wirtschaftsleben zurück.

"Von den 115 Ländern, die seit 2006 im Bericht erfasst werden, verzeichneten über zwei Drittel Verbesserungen der allgemeinen Indexbewertung", sagte Mitverfasser Ricardo Hausmann, Direktor an der Harvard-Universität. Das lasse darauf schließen, dass die Welt Fortschritte bei der Gleichberechtigung erzielt habe. In keinem Land sei bisher aber die volle Gleichstellung erreicht.

Am unteren Ende des Index verbesserten Indien (Platz 114), Marokko (124), Ägypten (126) und Saudi-Arabien (130) ihre Position gegenüber dem Vorjahr. In diesen Staaten verzeichnete das WEF kleine Fortschritte für Frauen im Wirtschaftsleben. In Iran (128), in der Türkei (129), in Pakistan (132) und im Jemen (134), die schon im Vorjahr ganz unten rangierten, verschlechterte sich die Lage der Frauen weiter.

Wenn Länder ihre Frauen und Mädchen gleichberechtigt in das ökonomische Leben integrieren, können sie die aktuelle Wirtschaftskrise schneller überwinden, betont das WEF. Die Diskriminierung der Frauen schaffe Frustration bei der Hälfte der Bevölkerung. Eine gleichberechtigte Einbeziehung von Männern und Frauen in allen Lebensbereichen sei für konkurrenzfähige und florierende Gesellschaften unabdingbar.

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