Gleichberechtigung
Weibliche Spitzenkräfte – Politik macht's vor

In der Wirtschaft sind weibliche Spitzenkräfte in den Vorständen und Aufsichtsräten immer noch eine Seltenheit. Die Politik zeigt, wie es geht: Frauen schaffen es nach ganz oben. Bei den Grünen herrscht schon jetzt eine klare Weiberherrschaft. Auf der letzten Bank der Emanzipationsverweigerer findet sich dagegen ein lustiges Parteien-Trio.
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BERLIN. Frauen kommen langsam, aber gewaltig", röhrte einst Ina Deter. "Langsam" stimmt, schließlich datiert der Emanzenhit von anno 1986. Von "gewaltig" kann allerdings keine Rede sein. Jedenfalls nicht in Deutschland, nicht in der deutschen Wirtschaft.

Wo man auch hinschaut: in die Aufsichtsräte, in die Vorstände, in die Wirtschaftsverbände - überall Rasierwasserduft und Dreiteiler. Der Markt bekommt das Problem einfach nicht in den Griff. Da herrscht so viel Männlichkeit, dass sogar die Corporate-Governance-Kommission sich nicht mehr scheut, das Q-Wort (ja, die Quote) in den Mund zu nehmen. Und die Jeanne d?Arc der deutschen Konservativen, Noch-Familien-und-vielleicht-bald-Gesundheitsministerin Ursula von der Leyen alpträumt bereits vom "Land der verpassten Chancen".

Doch es naht Rettung. Aus der Politik, jawohl. Ausgerechnet die Bundespolitik überschreitet dieser Tage einen Rubikon der Emanzipation, und das völlig geräuschlos und ohne lila Feuerwerk. Die Frauen erobern die Parteispitzen, nur noch wenige Wochen, und die Mehrheit der Parteien - jedenfalls gewichtet nach Mitgliederzahlen - hat eine Frau ganz oben auf dem Chefsessel.

Und wem verdankt die Republik den Siegeszug der Damen? Genau, der SPD. Die war ja schon immer für Gleichberechtigung. Und außerdem steckt der Karren nach 146 Jahren so tief im Dreck, dass ruhig mal eine Frau ganz vorn mitziehen soll. Deshalb darf Andrea Nahles - wenn der Parteitag will - nun endlich Generalsekretärin werden. Grundsätzlich kann die 39-Jährige sich sogar vorstellen, einst die Partei zu führen, jung und ehrgeizig genug ist sie ja.

So wie Angela Merkel. "Kohls Mädchen" kam auch erst zum Zug, als die Union von der Macht vertrieben ward und zudem im Spendensumpf versank. Selbst bei den Grünen konnte die Quote an jeder erdenklichen Politikspitze erst dann ihre wahre Durchschlagskraft entfalten, als der mit dem rot-grünen Projekt abservierte Obermacho Joschka Fischer den Rückzug antrat.

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