Gleiche Chancen für Migranten

Abschiebeverbot und anonyme Bewerbung gefordert

Vor dem Integrationsgipfel im Kanzleramt fordert der DIHK ein Abschiebeverbot für asylsuchende Auszubildende. Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Türkische Gemeinde wollen dagegen Bewerbungsverfahren anonymisieren.
Update: 01.12.2014 - 10:52 Uhr 14 Kommentare
Bei anonymen Bewerbungen wird in der ersten Phase auf Angaben wie Name, Geschlecht, Alter sowie auf ein Foto verzichtet. Quelle: dpa

Bei anonymen Bewerbungen wird in der ersten Phase auf Angaben wie Name, Geschlecht, Alter sowie auf ein Foto verzichtet.

(Foto: dpa)

Köln/BerlinDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert ein Abschiebeverbot für asylsuchende Jugendliche während ihrer Ausbildung. Ansonsten seien Unternehmen kaum bereit, Asylbewerber auszubilden, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Montag in der ARD vor Beginn des Integrationsgipfels im Kanzleramt.

Gleichzeitig forderte er junge Flüchtlinge auf, sich bei Unternehmen und den Verbandsstellen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle zu melden. „Wir haben noch unbesetzte Ausbildungsplätze. Wir brauchen sie“, sagte Schweitzer. Am Mittag findet im Kanzleramt der siebte Integrationsgipfel statt. Schwerpunkt ist das Thema, wie mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund in Betrieben ausgebildet werden können.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) und die Türkische Gemeinde in Deutschland haben sich für eine umfassende Einführung anonymer Bewerbungen ausgesprochen. Junge Migranten hätten auch bei gleicher Qualifikation geringere Chancen, hieß es in einem gemeinsamen Appell, aus dem der Kölner Stadt-Anzeiger vom Montag zitierte.

Der Appell soll demnach anlässlich des Integrationsgipfels am Montag im Kanzleramt veröffentlicht werden. Arbeitgeber ließen „ein großes Potenzial ungenutzt“, erklärten die Antidiskriminierungsstelle und die Türkische Gemeinde. Bei Betroffenen könnten Benachteiligungen zudem Resignation auslösen.

Öffentliche und private Arbeitgeber sollten deshalb durch „die Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren Chancengleichheit im Bewerbungsprozess sicherstellen“. Ein entsprechendes Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle sei erfolgreich verlaufen. Die Türkische Gemeinde selbst werde das Verfahren ab sofort anwenden, hieß es weiter.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, anonymisierte Bewerbungsverfahren seien ein „wichtiges Instrument für Chancengleichheit im Bewerbungsprozess“. Kein Arbeitgeber könne es sich leisten, in Zeiten des Fachkräftemangels Bewerbende auszuschließen.

„Probieren Sie das anonymisierte Bewerbungsverfahren aus und überzeugen Sie sich von den Vorteilen“, sagte Lüders der Zeitung an die Adresse der Arbeitgeber. Bei anonymen Bewerbungen wird in der ersten Phase auf Angaben wie Name, Geschlecht, Alter sowie auf ein Foto verzichtet.

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, forderte, die Chancen von Jugendlichen aus Migranten-Familien auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern. Die SPD-Politikerin sagte dem Sender NDR Info, vor allem Bewerber mit türkischen oder arabischen Namen hätten Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Selbst wenn diese „1,9-Abitur haben, werden sie aussortiert“, kritisierte Özoguz. Jugendliche mit Migrationshintergrund müssten deshalb nach der Schule stärker begleitet werden.

Am Wochenende hatte die Kanzlerin in ihrem Video-Podcast gleiche Chancen auf eine Berufsausbildung für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gefordert. Dass es junge Menschen mit ausländisch klingendem Namen schwerer hätten, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, sei „leider richtig“, sagte Merkel.

  • afp
  • rtr
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14 Kommentare zu "Gleiche Chancen für Migranten: Abschiebeverbot und anonyme Bewerbung gefordert"

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  • Gleiche Chancen? Und warum werden überall Ausländer bevorzugt und Deutsche diskriminiert? Beispiel Hartz IV, Deutsche die verheiratet sind erhalten kein Hartz IV. Vor Gericht erhält jeder Ausländer einen Bonus. Vergehen gegen unsere Gesetze = Kulturbereicherung. Ehrenmorde müssen geduldet werden, da Kultur der Herkunftsländer. "Ehre" ist wichtiger als unsere Gesetze.

  • Ich kenne etliche Türken in guten Stellen.
    Abr die wollen mit der Mehrhet der hier lebenden Türken gar cihts zu tun haben. Sie so integriert und sagen auch, dass Deutschland ihr Heimatland ist

  • Jens Muche
    da haben Sie meine volle Zustimmung. Besser kann man es nicht schildern, als Sei es getan haben

  • Auslese ist doch legitim, wer holt sich schon freiwillig kulturelle Probleme ins Haus!

  • Die bloße Behauptung, Migranten würden BEI GLEICHER QUALIFIKATION diskriminiert ist weder hinreichend belegt noch entspricht sie der Realität in der ganz überwiegenden Mehrzahl deutscher Unternehmen. Da jedoch gerade die Antidiskriminierungsstelle auf der Welle des politischen Mainstreams surft, gilt offensichtlich, daß eine Behauptung nur oft genug wiederholt werden muß, damit sie als Faktum wahrgenommen wird. Auch der Vorschlag, zukünftig Bewerbungsverfahren zu anonymisierten, ist wirklichkeitsfremd und stellt darüberhinaus auch kein taugliches Mittel gegen die behauptete Diskriminierung dar. Denn ein Arbeitgeber, der sich
    händeringend um Fachkräfte bemüht aber die unterstellten Vorurteile gegen Migranten pflegt, würde sich wohl kaum in einem Bewerbungsgespräch von deren Qualifikation überzeugen lassen. Somit bleibt dann nur die ( sicherlich schon heute angedachte ) Konsequenz, nämlich eine verbindliche Quote für Migranten einzuführen. Statt untaugliche Vorschläge zu unterbreiten,
    sollte sich die mit Steuermitteln finanzierte Antidiskriminierungsstelle, die über ca 30 Mitarbeiter und einen erheblichen Jahresetat verfügt, eher damit befassen, wie die Qualifikation von Migranten wirksam und nachhaltig verbessert werden kann. Das ist den Verantwortlichen aber wohl zu mühsam und verspricht auch nicht die angestrebte mediale Aufmerksamkeit.

  • Da kann ich nur zustimmen.

    Türkengemeinde und Antidiskriminierungsbeauftragte lenken wieder einmal vom Kern des Problems ab.

    Wenn es Probleme in der Schule, in der Ausbildung oder bei der Stellensuche gibt, dann wird die Diskriminierungskeule geschwungen.

    Tatsächlich sind die Ursachen der Probleme oftmals bei den Betroffenen selbst zu suchen.

  • @ Hans Kammerer und Ylander Ylander,
    ein Ausweg wäre, wie in den Chefetagen per Gesetz verordnet, eine Quotenregelung.
    Eine Leistung lässt sich nicht an Namen festmachen- aber auch nicht an Quoten. Damit springt, bei der Problematik, sowohl der Arbeitgeber und auch der Gesetzgeber schlicht und einfch zu kurz.

  • „...„die Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren Chancengleichheit....“.“

    Dann kommt die Enttäuschung beim Vorstellungsgespräch, wenn es überhaupt zu einem kommt. Mein Sohn, Biodeutscher, hat alle Varianten der Ablehnung hinter sich gebracht, am Ende hat er Bewerbungen als Masse per eMail verschickt, arbeitet heute, ein halbes Jahr nach seiner Gesellenprüfung, in seinem Beruf + wird dort auch gut bezahlt, in Mitteldeutschland.
    Die mantraartig vorgetragene „Chancengleichheit“ beginnt schon in der Schule, seit den 1970er Jahren + hat zur Zerstörung unseres hervorragenden Schulsystems geführt, weil ständig auf die schwachen + unwilligen Schüler Rücksicht genommen werden muß, wegen der „Chancengleichheit“. Das Niveau der Schulausbildung schlägt sich dann in Lehre + Beruf nieder. Aus Mittelmaß ist keine Höchstleistung zu generieren.
    Das ausgerechnet die Türk. Gemeinde hier trompetet, ist kein Wunder, sind die Türken in D doch die Hätschelkinder der dt. Politik. Nur leider gelingt es nicht, ihnen alles recht zu machen, die Ansprüche können in viel zu vielen Fällen, nicht mit der erbrachten Leistung zur Deckung gebracht werden. Mehr Bescheidenheit im Auftreten, mehr Bildungsbeflissenheit + die Erkenntnis, daß herumjammern, die Schuld für die eigene Unfähigkeit bei anderen zu suchen, nicht zu Chancengleichheit führt, wären hier sehr hilfreich.
    Daß das Problem nicht beseitigt werden kann, ist in meinen Augen der Tatsache geschuldet, daß es zu viele „Antidiskriminierungs-„ und sonstige „Gutmenschenvereine“ gibt, die auf dem Rücken dieser Klientel ihr gesellschaftspolitisches Süppchen kochen.
    Die Chance in Schule, Lehre und Beruf gute Chancen zu haben, muß sich jeder selbst erarbeiten. Beim ersten Punkt scheitern schon viele Hätschelkinder, weil ihre Eltern versäumt haben sie die Sprache des Landes lernen zu lassen, in dem die Familie ihren Lebensmittelpunkt hat, mit türkisch kommt man in einer deutschen Schule nicht weiter, denn die Unterrichtssprache ist deutsch.

  • Und was dann?

    Die "schlechteren" Bewerbungen werden nicht sofort zurück geschickt, sondern festgehalten. Spätestens im Bewerbungsgespräch ist es mit der Anonymität vorbei. Und dann werden doch noch ein paar mehr Bewerber eingeladen, bis "der Richtige" dabei ist.

    Fazit: Längerer Bewerbungsprozess, längere Ungewissheit für alle Beteiligten.

    Wer diskriminieren möchte (aus welchen Gründen auch immer) kann dies tun und gewonnen hat dabei am langen Ende niemand.

  • Illegale Einwanderer, die eine Ausbildung anfangen, nicht mehr auszuweisen, halte ich für eine schlechte Idee. Warum nicht eher die Asylverfahren deutlich verkürzen? Wer dann angenommen wird, kriegt ne Ausbildung, alle anderen müssen das Land verlassen.

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