Gleiche Löhne
IG Metall heizt Zeitarbeitsbranche ein

Der neue Tarifvertrag für die Stahlindustrie gibt gleiche Löhne für Zeit- und Stammkräfte vor – und zudem 3,6 Prozent mehr Geld. Für die Stahlbranche selbst ist der neue Zeitarbeitspakt nur mäßig relevant. Und doch rüttelt er die Wirtschaft kräftig auf.
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BERLIN. Die IG Metall hat in der Stahlindustrie einen Tarifvertrag mit Zündstoff durchgesetzt: Stahlfirmen klagen über hohe Belastungen durch die beschlossene Lohnerhöhung. Die Zeitarbeitsbranche ist verärgert, da sie einen unzulässigen Übergriff auf ihr tarifpolitisches Hoheitsgebiet erkennt. Und nach Einschätzung von Rechtswissenschaftlern könnte der neue Stahltarif gar ein Fall für das Bundeskartellamt werden.

Das am Donnerstagmorgen zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Stahl erzielte Ergebnis sieht zum einen vor, dass die 85 000 Stahlarbeiter im Tarifgebiet Nordwest ab Oktober eine Lohnerhöhung von 3,6 Prozent erhalten. Zum anderen wurde erstmals per Flächentarif geregelt, dass Zeitarbeiter branchenweit genauso bezahlt werden sollen wie vergleichbare Stammkräfte („equal pay“).

Letzteres verärgert vor allem die Zeitarbeitsbranche, die für ihre Beschäftigten prinzipiell eigenständige Tarifverträge schließt – und das auch mit der IG Metall.Der neue Stahl-Pakt fordert nun eine Abweichung von Zeitarbeits-Tarifen. Faktisch sei das „ein Vertrag zulasten Dritter, der für die Zeitarbeitsbranche nicht akzeptabel ist“, klagte Thomas Bäumer, Vizechef des Bundesverbands Zeitarbeit. Es sei zweifelhaft, ob dieser Pakt „einer rechtlichen Prüfung standhalten würde“.

„Das Kartellamt könnte prüfen“

Konkret gibt er Stahlfirmen vor, in ihren Verträgen mit Zeitarbeitsfirmen künftig darauf hinzuwirken, dass bei ihnen eingesetzte Zeitarbeiter stets Stahl-Tarif bekommen. Wo die Zeitarbeitsfirma nicht folgt, soll der Zeitarbeiter die Lohndifferenz notfalls als Schadensersatz bei der Stahlfirma einfordern können. Ein Eingriff in die Tarifhoheit der Zeitarbeitsbranche sei dies deshalb definitiv nicht, betont die IG Metall.

Nach Ansicht von Volker Rieble, Rechtsprofessor in München, könnten die Stahl-Arbeitgeber aber Probleme mit dem Kartellrecht bekommen. „Das Kartellamt könnte prüfen, ob hier nicht der Arbeitgeberverband ein Gütermarktkartell betreibt“, sagte er. Faktisch werde der Wettbewerb um Personaldienstleistungen beschränkt. Die IG Metall wies dies zurück – ansonsten sei es aber immer gut, „wenn darüber diskutiert wird, was eine faire Bezahlung für Leiharbeiter ist“, sagte Verhandlungsführer Oliver Burkhard.

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  • Wie ist es mit den 400€ Arbeitern die die gleiche
    Arbeit Leisten sollten die nicht auch den gleichen
    Lohn bekommen?
    ich hätte gern darüber eine Antwort

  • Die ökonomische Logik sagt: Wenn - bei gleicher Qualifikation und Leistung - ein betrieb einen Leiharbeiter einstellt, müßte dieser einen potentiell höheren (!) Lohn bekommen, denn er trägt das höhere Arbeitsplatzrisiko, und das Unternehmen kann Risiko "abwälzen". Das müßte in einer Marktwirtschaft eigentlich mit einer Risikoprämie entlohnt werden. Warum Leiharbeiter offensichtlich weniger "verdienen", ist m.E. einer wissenschaftliche Untersuchung wert. Mit ökonomischem Verstand erschließt sich der Sachverhalt zunächst nicht!

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