Gleichstellung
SPD will mehr Frauen in Führungspositionen

Die Sozialdemokraten wollen Frauen in der Arbeitswelt stärker fördern. Dazu setzt die Partei im Wahlkampf auf eine gesetzliche Quote in Aufsichtsräten und ein Gleichstellungsgesetz. Auch die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen ist der Partei ein Dorn im Auge.

BERLIN. Die SPD konkretisiert ihre Pläne, Frauen in der Arbeitswelt stärker zu fördern. Die Sozialdemokraten wollen etwa eine Frauenquote in Aufsichtsräten und ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft in ihr Wahlprogramms aufnehmen.

Heute empfängt SPD-Chef Franz Müntefering in der Berliner Parteizentrale weibliche Führungskräfte aus der Wirtschaft, die ihm die "Nürnberger Resolution" überreichen werden. Darin fordert die private Initiative, dass bis 2013 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsräte Frauen sein müssen. Für männliche wie weibliche Aufsichtsräte sollen klar definierte Qualitätsstandards gelten. Den Anteil der Frauen in Führungspositionen wollen sie mit Hilfe eines Gleichstellungsgesetzes erhöhen. Zu den politischen Unterstützern gehören die ehemalige Frauenministerin Renate Schmidt (SPD) sowie die ehemalige Bundestagspräsidentin, Rita Süssmuth (CDU).

"Wir brauchen ein moderates Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft", sagt Schmidt. Es solle angelehnt werden, an die Regeln im öffentlichen Dienst. "Wir haben schmerzhaft feststellen müssen, dass freiwillige Vereinbarungen nicht weiterhelfen", sagt die Initiatorin, Martine Herpers, Managerin beim Erlanger Softwareunternehmens Elektrobit. "Viele machen sich irgendwann aus Frust selbständig." Herpers hofft auch auf die Union: Frauenministerin Ursula von der Leyen erhält die Resolution auch.

Größere Chancen bestehen aber bei der SPD: Bereits Anfang März hatte die Bundestagsfraktion bereits eine Frauenquote wie in Norwegen verlangt, wo 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein müssen. "In Deutschland sollten wir uns das auch trauen", sagt Hans-Peter Bartels, Mitglied der SPD-Grundwertekommission. "Vielleicht mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren."

Parteichef Müntefering hat sich bislang in dieser Frage nicht festgelegt. Wohl aber beim Thema Lohngleichheit: Diese in der kommenden Legislaturperiode herzustellen, sei ein zentrales Thema für die SPD, hatte er bereits angekündigt. Die SPD-Fraktion schlägt dazu einen "Diskriminierungs-Check" bei Tarifverträgen vor sowie schärfere Vorgaben im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.

Die Landesgliederungen der Partei arbeiten bereits an Anträgen, die dann in die Programmdebatte einfließen. Ihr Wahlprogramm will die SPD eine Woche nach der Europawahl - am 14. Juni - beschließen.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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