Globalisierungskritiker
Angst ist da draußen – und Gewalt

Die Globalisierungskritiker eint das Gefühl, die Welt drehe sich trotz Booms in die falsche Richtung. Und sie haben das Feindbild G8. Damit sind allerdings die Gemeinsamkeiten schon erschöpft. Die Reaktionen der Protestierenden sind höchst unterschiedlich.

ROSTOCK. Lisa-Marie Ullrich wird am Ende dieses Gipfels etwas gelungen sein, von dem Arndt Reichert und Paula nur träumen können – die 16-jährige Gymnasiastin wird mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen haben. Zwar nicht unter vier Augen, doch gemeinsam mit 73 anderen Jugendlichen, immerhin. Und eine Resolution haben sie den Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen übergeben dürfen – zum Wohl der Menschheit.

Soeben schlüpft Lisa aus einer Diskussionsrunde zum Thema „Soziale Verantwortung von Unternehmen“. Sie hat nur wenige Minuten Zeit. Und? „Natürlich haben sie Verantwortung, in Zeiten von Globalisierung wird das immer wichtiger“, sagt Lisa. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, antwortet zackig. Unternehmen, die der sozialen Verantwortung gerecht würden, schlägt die Mainzerin vor, solle die Politik premieren. Ob Merkel die Idee aufgreifen wird?

Zumindest wird sie Gefallen am Engagement der Jugendlichen finden. Denn Lisa macht sich ihre Gedanken über das Elend der Welt, soziale Gerechtigkeit und den Klimawandel – und gehört dabei nicht zu jenen, die den G8-Gipfel verteufeln und stören. Doch solche, das zeigen die Vorfälle rund um den Gipfel, gibt es auch. Und so treiben alle, die draußen vor dem Zaun sind, ähnliche Ängste – doch ihre Antworten darauf sind höchst unterschiedlich.

Lisa nimmt am „G8-Juniorgipfel“ in Wismar teil, kein Antigipfel, sondern organisiert von Unicef und der Morgan-Stanley-Stiftung. Zwei derartige Treffen hat es in der Vergangenheit schon gegeben, im schottischen Gleneagles und im russischen St. Petersburg. Jugendliches Engagement als Feigenblatt für die politische Elite? So ganz von der Hand weisen lässt sich ein solcher Verdacht nicht. Zu häufig redet die Politik der Verantwortung für zukünftige Generationen das Wort. Allein, zuhören ist das eine, handeln das andere.

Paula würde Lisa-Marie weich gespült nennen, bieder und angepasst, eine Klassenfeindin. Paula sieht die Dinge nämlich grundsätzlicher. Die G8 sei zusammengekommen, klagt sie an, „um die weitere wirtschaftliche Ausplünderung der Welt, die immer weiter reichende Privatisierung und kapitalistische Zurichtung auch noch der letzten verwertbaren Zipfel der Welt zu planen.“ Sie sei von niemandem ermächtigt, verträte ausschließlich eigene Interessen – „zum Kotzen“.

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