Glos oder Steinmeier
Der oder ich

Michael Glos hat es weit gebracht, weiter als viele seiner Kollegen. Und an diesem Sonntagmorgen ist der Bundeswirtschaftsminister besonders zufrieden, als er in den VIP-Airbus „Konrad Adenauer“ der Luftwaffe steigt.

BERLIN. Denn er weiß, dass ein Kabinettskollege, der einige tausend Kilometer entfernt ebenfalls auf Dienstreise ist, mit einem unbequemeren Truppentransporter der Bundeswehr fliegen muss. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier tingelt mit der tarngrauen „Kurt Schumacher“ durch sechs Golfstaaten. Er hat keine Wahl, weil Angela Merkel für ihre China-Reise einen VIP-Airbus belegte und Glos sich den zweiten sicherte.

Was klingt, als ob sich erwachsene Männer wie Kinder benehmen und sich im Sandkasten Murmeln abluchsen, hat einen ernsten Hintergrund. Längst sind Glos und Steinmeier in die Rolle von Kontrahenten gerutscht. Seit Wochen liefern sie sich über den Wolken ein Fernduell: Wer ist der bessere Türöffner für die deutsche Wirtschaft? Wer der eigentliche Außenwirtschaftsminister?

Besonders Glos muss das nerven. Auf der China-Reise stichelt er gehörig gegen seinen Kabinettskollegen. Er weiß, dass er nach seinem schwachen Start unter Beobachtung steht.

Steinmeier dagegen bittet Journalisten: „Schreibt nichts Schlechtes über Glos.“ Der Außenminister will den Konflikt nicht weiter anheizen.

Offiziell winkt man in beiden Ministerien ab. „Nichts dran“ sei an der Konkurrenz. Und auch Glos sei zu den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Tomsk mit einem mausgrauen Truppentransporter geflogen. Jetzt sei eben Steinmeier dran, auch wenn er als Außenminister nach den Statuten der Bundeswehr-Flugbereitschaft das vorrangige Zugriffsrecht auf den VIP-Airbus habe.

Begonnen hat das Duell gleich am Anfang der großen Koalition. Glos ist ohne Aufwärmphase für den zögernden Edmund Stoiber ins Kabinett gewechselt. Von Anfang an haderte der joviale und redselige Bayer mit dem Amt. Der kühle Steinmeier dagegen hat sich generalstabsmäßig auf sein Amt vorbereitet. Der ehemalige Kanzleramtschef kennt alle Dossiers. Und schon beim Amtsantritt erklärte er, was er jüngst wiederholte: „Die Außenpolitik darf, kann und muss Türöffner der Wirtschaft sein.“

Daneben rief sich der ruhige Ostwestfale auch noch zum „Energie-Außenminister“ aus und nimmt zur Freude der Wirtschaft auf jede halbwegs große Reise eine stattliche Unternehmerdelegation mit.

Seite 1:

Der oder ich

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%