Glos-Rücktritt
Union schwankt zwischen Kummer und Hoffnung

Der Rücktritt von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat die Union ins Mark getroffen. Viel Zeit bleibt seinem Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg für die inhaltliche Profilierung als Wirtschaftsminister nicht.

BERLIN. Das Beben, das Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit seinem Rücktrittsgesuch losgetreten hatte, war in der Spitze der Union auch gestern noch zu spüren. Von einem "Trümmerfeld" und "chaotischen Zuständen" war die Rede. Die wenigen Optimisten bezeichneten das Erscheinungsbild der Union als "suboptimal". Selbst nach der Bekanntgabe des neuen Wirtschaftsministers, Karl-Theodor zu Guttenberg, der heute von Bundespräsident Horst Köhler die Ernennungsurkunde erhalten soll, dominierten die Selbstzweifel. "Allen ist klar, dass die Union in den nächsten Wochen vor allem mit sich selbst beschäftigt sein wird. An eine Rückkehr zur Normalität ist gar nicht zu denken", hieß es in der Spitze der Unionsfraktion.

Die Neubesetzung des Wirtschaftsministeriums ist auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von weitreichender Bedeutung. Wie im Bundestagswahlkampf 2005 stellt sich für die CDU-Vorsitzende erneut die Frage, mit welchem wirtschaftspolitischen Kopf die Union in den Wahlkampf ziehen will. Zu Guttenberg muss sich in den nächsten Monaten deshalb nicht nur auf dem Ministerposten beweisen, er muss in dem neuen Amt auch das Vertrauen von Merkel gewinnen. In den vergangenen Monaten hatte die Kanzlerin sich mehr auf den Rat von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) verlassen.

Viel Zeit bleibt zu Guttenberg für die inhaltliche Profilierung als Wirtschaftsminister nicht. Mitten in der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte kommt es für die öffentliche Wahrnehmung der Union entscheidend darauf an, welche Akzente er setzt. In der Unionsspitze pocht man darauf, dass nicht mehr allein Steinbrück Antworten auf die Weltwirtschaftskrise gibt. "Der Wirtschaftsminister muss künftig viel energischer auftreten und besser verkauft werden", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister dem Handelsblatt. Zu Guttenberg müsse sich gegenüber dem Rivalen Steinbrück häufiger durchsetzen.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach hält den neuen Wirtschaftsminister für diese Aufgabe auch gut gerüstet. "Es besteht kein Zweifel am Talent und dem guten internationalen Netzwerk zu Guttenbergs", sagte Bosbach. Der frühere Außenpolitikexperte der Union könne das Amt aufwerten.

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