
BerlinWo sollte Deutschland seine Goldreserve aufbewahren? Die Bundesbank hat ein neues Konzept zur Wahrung des Schatzes erarbeitet. Doch so richtig überzeugt das niemanden. Im Gegenteil: Die Pläne der Notenbanker wecken Begehrlichkeiten unter Politikern, aber auch unter Ökonomen. Denn mit dem gigantischen Goldschatz kann man jede Menge anstellen.
Blickt man auf den Wert der Goldbarren und ihre derzeitige Lagerung, wird deutlich, warum die Debatte darum jetzt plötzlich wieder Fahrt aufnimmt. Im Oktober hatte die Bundesbank erstmals detaillierte Zahlen veröffentlicht, wo ihre Goldbestände im Gesamtwert von aktuell mehr als 150 Milliarden Euro lagern: 1536 Tonnen (45 Prozent) liegen in Tresoren der US-Notenbank Fed in New York, 450 Tonnen (13 Prozent) bei der Bank of England in London, 374 Tonnen (11 Prozent) bei der Banque de France in Paris. Knapp ein Drittel (31 Prozent) des Edelmetalls verwahrt die Bundesbank bislang in eigenen Tresoren im Inland: 1036 Tonnen.
Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.
Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.
Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.
In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.
Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.
29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.
Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.
Quelle: World Gold Council
Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.
Nach Handelsblatt-Informationen will die Notenbank nun ihre Bestände bei der französischen Zentralbank auflösen und auch einen Teil der Bestände bei der US- Notenbank Fed nach Deutschland verlagern. In der Koalition stößt das auf ein geteiltes Echo. Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler forderte eine Rückführung aller Goldbarren nach Deutschland, der CDU-Haushälter Klaus-Peter Willsch verteidigte dagegen die bisherige teilweise Lagerung des Goldes im Ausland. Er plädierte zudem für einen weiteren Standort in Asien.
„Die Schritte der Bundesbank reichen nicht aus“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. Heute wisse man nicht einmal, ob die Barren überhaupt vorhanden oder ob sie echt seien, weil seit Jahrzehnten keine Inventur stattgefunden habe. „Jeder Kaufmann würde ausgelacht, wenn er seinen Warenbestand am Ende des Jahres jährlich fortschreiben würde, aber das Warenlager noch nie von innen gesehen hätte“, sagte Schäffler, der auch Erstunterzeichner der Initiative „Holt unser Gold heim“ ist.
Goldschatz: 8.133 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent
Stand: Februar 2013
Goldschatz: 3.391 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent
Goldschatz: 2.814 Tonnen
Goldschatz: 2.451 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent
Goldschatz: 2.435 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent
Goldschatz: 1.054 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent
Goldschatz: 1.040 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent
Goldschatz: 958 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent
Goldschatz: 765 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent
Goldschatz: 613 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent
Goldschatz: 558 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent
Goldschatz: 502 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent
Deren Kernforderungen sind eine unabhängige Prüfung des tatsächlichen Bestands der Goldreserven an allen Lagerorten sowie die „zeitnahe Rückführung“ des im Ausland gelagerten Goldes nach Deutschland, um die „Option der (Teil-) Deckung einer künftigen neuen Währung zu erhalten“. Außerdem die „Herbeiführung eines verfassungsrechtlich abzusichernden bilanziellen Sonderstatus der Goldreserve zur Abwehr der schnell zunehmenden Ausbuchungsgefahr aufgrund der sich seit 2007 dramatisch verschlechternden Qualität der Bundesbank-Bilanz (Gefahr im Verzug)“.

ANONYM
Norbi
Gratulation, Handelsblatt, zu diesem Exklusiv-Beitrag, der hier in den USA in den einschlägigen Kreisen auf großes Interesse gestoßen ist. Nun ist es an der Zeit für den nächsten Schritt investigativen Journalismus: warum brauchen wir denn 7 Jahre (!), um den Rücktransport zu managen? Vielleicht liegt es an dieser These: die FED diktiert die Konditionen und hält das uns gehörende Gold als Faustpfand:
http://kingworldnews.com/kingworldnews/KWN_DailyWeb/Entries/2013/1/17_James_Turk_-_Germanys_Gold_Is_Being_Held_Hostage_1.html
Weitergehende Infos bei www.gata.org oder z.B. beim Kollegen www.larsschall.com/
Bin mal gespannt, ob das Handelsblatt diesen Faden aufnimmt - es wär mal Zeit für ne richtig gut recherchierte Story!
Und: Sehr geehrter Herr Horn: Sie haben sicher mal von "(Gordon) Brown's Bottom" gehört. Ihre Forderung ist genauso schädlich. Sie verspielen Ihren Ruf hier.
NW aus Austin, TX

Und hier noch eine beachtenswerte Analyse von Prof. Dr. Thorsten Polleit, ebenfalls einem anerkannten Geld-Experten der sich nicht 'politically correct' verhält, sondern sich für das Wohl der Menschen/der Wahrheit einsetzt:
Degussa Ausblick 2013: Goldene Zeiten für Edelmetallinvestoren
Prof. Dr. Thorsten Polleit
http://www.goldseiten.de/bilder/upload/gs50f477d3478df.pdf

Wem sollten wir wohl mehr Beachtung schenken - den einschläfernden MSM (Mainstream Medien) oder einem ausgewiesenen Edelmetallexperten???
Bild.de berichtet über das Bundesbank-Gold: "So fühlt sich UNSER Goldschatz an". Gezeigt wird Bild-Chefkorrespondent Ralf Schuler mit 4 Goldbarren.
Bundesbank-Vorstand Thiele: "Wir haben kein Gold verliehen".
Kommentar: In der Berichterstattung der letzten Tage über das Gold der Bundesbank wird viel Schaum geschlagen, die Forderung nach einer Inventur aber konsequent ausgeklammert. Vielleicht hat die Bundesbank kein Gold verliehen, vielleicht aber die Fed? Vielleicht wurden von der Fed gar keine Goldbarren zurückgeholt, sondern nur Goldforderungen. Das würde jedenfalls erklären, warum sich der Goldbestand der Bundesbank in den letzten Monaten so schnell und geräuschlos erhöht hat. Vielleicht wurde bisher gar kein Gold geliefert und eingelagert sondern nur Goldforderungen umgebucht. Ausgerechnet aus London, wo nach letzten Berichten 82,9% des Bestands fehlen, soll kein Gold zurückgeholt werden (vgl. Tagesbericht vom 17.12.12). Warum? Diese Fragen können nur mit einer ordentlichen Inventur und nicht mit Fotos von Journalisten, die Goldbarren in die Kamera halten, beantwortet werden. (Martin Siegel)
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