Gorleben
Demonstranten stoppen Atommülltransport

Mit viel massiveren Protesten als in den Vorjahren haben Hunderte Demonstranten am Montag den Atommülltransport ins Zwischenlager Gorleben aufgehalten. Allein vor dem Zwischenlager harrten bis zum frühen Abend etwa 400 Atomkraftgegner aus.

HB GORLEBEN. Stunden zuvor hatte die Polizei begonnen, die Sitzblockade zu räumen und die Demonstranten wegzutragen. Die Stimmung blieb zunächst weitgehend friedlich. Die elf Atommüllbehälter aus der französischen Aufbereitungsanlage La Hague waren in Dannenberg vom Zug auf Lastwagen verladen worden. Von dort sollten sie auf der Straße die letzten 20 Kilometer nach Gorleben gefahren werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace schlug wegen hoher Strahlenwerte Alarm. Die Strahlenbelastung durch den aktuellen Atommülltransport sei deutlich höher als bei früheren Castor-Transporten. 14 Meter von den Behältern entfernt liege die Neutronenstrahlung bei 4,8 Mikrosievert pro Stunde und damit 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Dies sei mehr als 500-mal so viel wie die natürliche Hintergrundstrahlung. Die Radioaktivität liege damit zwar vermutlich noch innerhalb der Grenzwerte. In unmittelbarer Nähe zu den Containern würde jedoch binnen weniger Stunden die zulässige Jahresdosis erreicht.

„Die Belastung des Begleitpersonals, der Anwohner und Demonstranten ist unverantwortlich“, kritisierte der Atomexperte von Greenpeace, Heinz Smital. Während 2005 noch die alten Castorbehälter verwendet wurden, werde der Atommüll nun in neuen französischen Containern des Typs TN85 transportiert, die für stärker strahlendes Material gebaut worden seien. Smital zeigte sich daher überrascht über die hohen Strahlenwerte. Er habe zwar mit stärker strahlendem Material gerechnet, aber auch mit einer besseren Abschirmung.

„Dass man solche Behälter zulässt, ist eigentlich skandalös“, sagte Smital zu Reuters. Als Konsequenz müssten entweder die Container verbessert oder weniger radioaktives Material transportiert werden. Dies gelte besonders, da künftig deutlich stärker radioaktives Material aus La Hague nach Deutschland zurückgeschickt werde. Zugleich belegten wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Niedrigstrahlung gefährlicher sei als gedacht.

Die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke schloss sich im Wendland den Greenpeace-Forderungen an. Die Strahlenwerte müssten sofort unabhängig überprüft werden, vorher dürften die Behälter den Verladebahnhof in Dannenberg nicht verlassen. Auch die Linkspartei forderte einen sofortigen Stopp des Transports. Das niedersächsische Umweltministerium betonte dagegen, dass die Grenzwerte nicht überschritten seien. Dies hätten Messungen an drei Behältern in Dannenberg ergeben.

Der Zug mit dem Atommüll hatte in der Nacht zum Montag den Verladebahnhof in Dannenberg erreicht. Die Straßenstrecke zum Zwischenlager war jedoch bis gegen Abend von Atomkraftgegnern blockiert. Im Ort Grippel harrten mehrere Bauern an Betonsperren gekettet aus. In Quickborn blockierten nach Polizeiangaben 25 Traktoren die Straße. Unmittelbar vor dem Zwischenlager säßen auch Stunden nach Beginn der Räumung noch etwa 400 Demonstranten auf der Straße, sagte ein Polizeisprecher. Wann die Lastwagen mit den Atommüll-Containern in Dannenberg losfahren könnten, sei unklar.

Die Proteste fallen dieses Mal deutlich heftiger aus als beim letzten Transport 2006. Wegen der steigenden Energiepreise haben seither die Bestrebungen zugenommen, den Atomausstieg rückgängig zu machen.

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