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05.08.2008 
Untersuchungen der Verbraucherorganisation Foodwatch

Grenzwert für Uranbelastung im Trinkwasser gefordert

Nach Bekanntwerden von Uran-Belastungen im deutschen Leitungswasser wird der Ruf nach Einführung eines verbindlichen Grenzwerts immer lauter. Nun erwägt auch das Gesundheitsministerium einen solchen Schritt, weist Vorwürfe eines mangelhaften Verbraucherschutzes in der Vergangenheit jedoch zurück.

HB BERLIN. Die Kommunen müssten schon heute dafür sorgen, dass die Uranbelastung zehn Mikrogramm pro Liter nicht überschreite, sagte eine Ministeriumssprecherin am Dienstag in Berlin. In vielen Gemeinden liegt der Uranwert nach Untersuchungen der Verbraucherorganisation Foodwatch jedoch deutlich höher. Im täglichen Trinkwasser sei das Nierengift Uran eine beträchtliche Gefahr, warnte Foodwatch-Chef Thilo Bode.

"Die Behörden haben die Fürsorgepflicht, die sie gegenüber den Verbrauchern haben, sträflich vernachlässigt", kritisierte Bode in Reuters TV. Bundesweit überschritten 150 von 8000 Messwerten die Grenze von zehn Mikrogramm, die für Erwachsene als unbedenklich gilt. In 950 Fällen sei das Wasser nicht zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet, weil die Urankonzentration zwei Mikrogramm übersteige. Bedingt durch die Gesteinsformationen gebe es vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hohe Belastungen.

Das Reden über einen Grenzwert für die Zukunft helfe niemandem weiter, bemängelte Bode. Die belasteten Brunnen müssten sofort geschlossen oder Filter eingebaut werden. Außerdem müssten die Verbraucher mit der Wasserrechnung die Information bekommen, ob sie ihr Leitungswasser weiter für Babynahrung verwenden könnten und wie hoch die Messwerte seien.

Das Bundesgesundheitsministerium verwies allerdings darauf, dass die Gemeinden längst an den Leitwert des Umweltbundesamtes von zehn Mikrogramm gebunden seien, der allerdings nicht gesetzlich festgelegt ist. Laut Trinkwasserverordnung dürften vom Leitungswasser keine gesundheitlichen Gefährdungen ausgehen. "Es liegt an den Kommunen, regional diese Werte einzuhalten", sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Unklar sei die Höhe eines gesetzlichen Grenzwertes. Das Umweltbundesamt halte zehn, die Weltgesundheitsorganisation WHO aber sogar 15 Mikrogramm Uran für unbedenklich. Parallel werde in der Europäischen Union derzeit darüber diskutiert, die Uranbelastung über eine europäische Richtlinie zu begrenzen.

Die Sozialministerin von Sachsen-Anhalt, Gerlinde Kuppe (SPD) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Mittwoch): "Sowohl die Verbraucher als auch die Unternehmen wären auf der sicheren Seite, wenn Deutschland den Mut aufbringt, statt eines weichen Grenzwerts einen harten Grenzwert einzuführen."

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) begrüßte Pläne der Bundesregierung, mit den Ländern über einen Grenzwert zu verhandeln. Sie habe bereits im März einen bundesweit einheitlichen Uran-Höchstwert für Trink- und Mineralwasser gefordert, teilte die Ministerin am Dienstag in Mainz mit.

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