Griechenland-Gipfel
„Es ist illusorisch, eine fertige Lösung zu erwarten“

Eine klare EU-Lösung, wie das Griechenland-Problem gelöst werden soll, ist nicht in Sicht. Hans Michelbach, Sprecher des CSU-Wirtschaftsflügels, skizziert, wie die Weichen für die Zukunft des Euro gestellt werden können.
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Handelsblatt Online: Herr Michelbach, in der Griechenland-Debatte könnten die verschiedenen Positionen nicht gegensätzlicher sein. Die Rede ist von Gläubigerbeteiligung, Laufzeitverlängerung  für Anleihen oder Umschuldung. Aber eine Lösung ist nicht in Sicht. Hat Griechenland noch eine Chance?

Hans Michelbach: Wenn wir keine Chance mehr sähen, könnten wir ja auch gleich alle Bemühungen einstellen. Nein, Griechenland hat eine Chance. Wir müssen Athen aber auch die Chance geben. Und dazu gehört für mich eine Umschuldung mit einem Forderungsverzicht, der bei 50 Prozent liegen müsste. Dieser Schnitt kann dazu beitragen, die Schulden für Griechenland tragbar zu machen.

Das ist ein ganz normaler Vorgang, wie wir ihn aus der Wirtschaft bei der Sanierung angeschlagener Unternehmen kennen. Ich erwarte auch nicht die von manchen beschworenen großen Turbulenzen. Die Finanzbranche dürfte große Teile der Griechenlandanleihen ohnehin schon abgeschrieben haben.

Bundesbankpräsident Weidmann warnt aber vor einer solchen Umschuldung. Kritisch äußerte sich auch Ex-EZB-Chefvolkswirt Issing.

Man muss genau hinhören. Weidmann und Issing haben natürlich recht, wenn sie sagen, eine Umschuldung allein werde die griechischen Probleme nicht lösen. Da bin ich völlig auf ihrer Linie. Die Umschuldung ist kein Ersatz für eine durchgreifende – und für die Griechen sicher auch schmerzliche – Konsolidierung. Athen muss die Konsolidierungsauflagen zügig erfüllen. Das Land muss sicherstellen, dass die Ausgaben den Einnahmen angepasst werden. Sonst sind wir in der Tat in kurzer Zeit wieder dort, wo wir jetzt stehen.

Eine Umschuldung könnte den Finanzmärkten schwer zusetzen. Fürchten Sie nicht die Wirkungen eines solchen Schritts für den Euro?

Richtig, die Märkte sind empfindlich. Es gibt nach wie vor eine Nervosität, weil man nicht weiß, wohin die Reise geht. Gerade um wieder Ruhe und Vertrauen in die Märkte hineinzubringen, wäre es gut, jetzt klare Schnitte vorzunehmen. Im übrigen: Schauen Sie auf das Geschehen nach dem Wochenende der Umschuldungsdiskussion. Die große Nervosität müsste doch längst ausgebrochen sein. Aber wir sind weit entfernt davon. Die Marktteilnehmer sind auch Leute mit einem großen Realismus. Der Euro ist stabil – und er wird es auch am Freitagmorgen nach dem Gipfeltreffen von Brüssel noch sein. Wir haben ja auch keine Euro-Krise, um das noch einmal zu unterstreichen.

Kommentare zu " Griechenland-Gipfel: „Es ist illusorisch, eine fertige Lösung zu erwarten“"

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  • Über diese Meinung von Olaf Henkel sollten alle deutschen EURO-Retter gründlich nachdenken bevor sie entscheiden, ohne Volksbefragung.
    Hans-Olaf Henkel
    “Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft – Wie der
    Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet”, heißt das wütende Buch des
    früheren BDI-Chefs. “Ohne Not wird der Wohlstand unseres Landes aufs
    Spiel gesetzt”, klagt Hans-Olaf Henkel, der einen Nord- und einen
    Süd-Euro fordert. Neben Griechenland und Portugal sollten seiner
    Ansicht nach auch Spanien und Italien die aktuelle Währungsunion
    verlassen.
    Basta/Alternativlos.

    Danke

  • ".....Was wir jetzt brauchen, ist Ruhe und kühle Überlegung. Und nicht das Durchstechen und öffentliche Diskutieren von halbfertigen Referentenentwürfen....."

    Griechenland darf nicht um jeden Preis gerettet werden, da sonst falsche Signale für andere Länder gesetzt werden.
    Es muß den "Haircut" geben bzw., es hat ihn bereits gegeben (aktueller Wert der Anleihen. Ausserdem muß man sich über die Markteilnehmer sehr wundern, welche Griechenlandanleihen erworben haben. Diese Akteure sollte man durch Schimpansen ersetzen, die nach dem Zufallsprinzip kaufen)

    Verbot der "Emission" neuer Staatsanleihen zur Refinanzierung von "Schulden" falls ein gewisser Verschuldungsgrad erreicht ist. DURCHSETZUNG dieses "Verbotes" (EZB kann dieses durchsetzen, indem sie keine Kredite mehr auch "Ramsch-Anleihen" gibt)
    Gehaltsreduzierung und Rentenkürzung für die Verursacher dieses Problems (Politiker)
    HH-Disziplin

    Unsere Politiker müssen "gezwungen" werden dieses Monopoly zu beenden und für stabile Verhältnisse auf den Finanzmärkten zu sorgen. Falls sie dazu nicht in der Lage sind müssen sie zurücktreten oder abgewählt werden.

  • „Es ist illusorisch, eine fertige Lösung zu erwarten“

    Ich erwarte eine solche Lösung nicht, ich fordere Sie!
    Schließlich bezahle ich, wie viele andere auch, Steuern von denen unsere Volksvertreter ihr Salär ausbezahlt bekommen. Demnach erwarte ich im Gegenzug auch ein gewisses Mindestmaß an Leistung. Und neue Luftschlösser bauen, alternativlos herumlamentieren, Problemen tatenlos zusehen zähle ich nicht als Leistung. Das kann auch jeder Feldweg.

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