Griechenland-Hilfen
Deutsche Politik verliert die Geduld mit Athen

Das Hilfspaket für Griechenland wackelt und den Verbündeten reißt der Geduldsfaden. Das Land müsse endlich mit Reformen erst machen, heißt es aus der Berliner Koalition. Andernfalls solle es die Euro-Zone verlassen.
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BerlinIn der Koalition wächst die Sorge, dass das hochverschuldete Griechenland seine Reformversprechen nicht einhält und damit die Bemühungen um eine Rettung des Euro insgesamt gefährdet. Politiker aus Union und FDP zeigten sich am Wochenende beunruhigt über die überraschende Abreise einer Delegation der Geldgeber von EU, IWF und EZB aus Griechenland. „Der Abbruch der Gespräche zwischen der Troika und Griechenland ist ein Rückschlag für die Stabilität des Euro“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner in Berlin. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach und der FDP-Finanzexperte Otto Solms legten Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass eine Stabilisierung des Euro gelingen werde. 

„In Athen wird die europäische Solidarität ernsthaft gefährdet“, warnte Lindner. Die Steuerzahler in Nordeuropa und insbesondere in Deutschland könnten für „Unvermögen oder Unwillen“ der Griechen nicht geradestehen. Die Regierung in Athen müsse ihren Willen zur Stabilität und zu Reformen neu bekräftigen. „Beschwichtigungen oder Vertagungen sind für uns nicht mehr akzeptabel.“ Die Chefs von IWF und der Euro-Gruppe sollten daher umgehend nach Athen reisen, um verbindliche Erklärungen zur Erfüllung der vereinbarten Ziele einzufordern.

Außenminister Guido Westerwelle warnt Griechenland davor, bei seinen Sparbemühungen nachzulassen. Dem Bonner „General-Anzeiger“ sagte der FDP-Politiker: „Ich erwarte von Griechenland, dass es die eigenen Hausaufgaben bei den Reformen auch wirklich erledigt.“ Beschlüsse und Worte reichten nicht aus. „Nur Taten zählen“, mahnte Westerwelle.

Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt ermahnten Griechenland, die vereinbarten Reformen zügig umzusetzen. „Wer Hilfe erwartet, muss sich selbst verlässlich zeigen“, sagte Hasselfeldt dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Andernfalls setze Griechenland die weitere Unterstützung durch seine Euro-Partner aufs Spiel. „Europa will Griechenland helfen. Aber die griechische Regierung ist dann auch in der Pflicht, durch konsequente Sparanstrengungen und Privatisierungen die Voraussetzung für einen Erfolg der Hilfe zu erbringen“, sagte Gröhe der „Financial Times Deutschland“ .

Bosbach und Solms bezweifelten, dass Griechenland seine Schuldenprobleme am Ende aus eigener Kraft bewältigen wird. Das Land müsse sich deshalb überlegen, ob es im Euro-Raum bleiben wolle. „Wenn Griechenland sich für den Verbleib entscheidet, kann das Land nicht erwarten, dauerhaft massiv unterstützt zu werden“, erklärte Bosbach. Solms sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, Griechenland entwickle sich zu einem dauerhaften Unruheherd. „Deshalb ist zu überlegen, ob der Weg über eine Umschuldung und einen Austritt aus dem Euro nicht für die Währungsunion und Griechenland selbst die besseren Perspektiven bietet.“

Griechenland war als erstes Euro-Land an seinem Schuldenberg gescheitert und wurde im Mai 2010 nur mit einer Kreditzusage von 110 Milliarden Euro seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds vor der Staatspleite gerettet. Als Gegenleistung versprach das südeuropäische Land Reformen und einen strikten Sparkurs. EU, IWF und EZB prüfen regelmäßig, ob die Regierung in Athen ihre Zusagen einhält, bevor weitere Tranchen überwiesen werden.

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Kommentare zu " Griechenland-Hilfen: Deutsche Politik verliert die Geduld mit Athen"

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  • @ Adof ...

    @ Adolf
    Soo ein Quatsch



  • @ Homburger,

    Griechenland erpresst uns nicht, Griechenland ist durch Bestechungen, auch und vor allem durch deutsche Firmen, in diese Lage geraten.
    Wenn die Volksmassen kaum genug zum Essen haben ist das Kürzen sehr schwer.
    Die Verleumdungskampagne die die deutsche Medien führen verleitet vielen zu falscher Schlüsse.


  • Griechenland bietet warme Worte, Absichtserklärungen und Beschlüsse, dafür bekommt es von Deutschland harte Euros.

    Wenn das kein cooler Deal ist!!

    Clever die Griechen!

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