Griechenland-Hilfen
Merkel schmettert Bedenken der Ratingagenturen ab

Die Kanzlerin lassen kritische Griechenland-Urteile kalt. Die jüngsten Bedenken der weltgrößten Ratingagentur S & P wischt sie beiseite. Doch auch in Deutschland wachsen die Zweifel an neuen Hilfen für Athen.
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BerlinDie Ratingagentur Standard & Poor's hat vor der Beteiligung privater Gläubiger am neuen Griechenland-Rettungspaket gewarnt. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel ficht das nicht an. „Es ist wichtig, dass sich die Troika die eigene Urteilsfähigkeit nicht wegnehmen lässt“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. „Ich vertraue vor allem den Bewertungen dieser drei Institutionen“, sagte sie mit Hinweis auf die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die weltgrößte Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Vortag den französischen Vorschlag abgelehnt, mit dem private Gläubiger an der Rettungsaktion beteiligt werden sollen. Beide Varianten des Modells seien als begrenzter Zahlungsausfall (selective default) zu bewerten - was deutsche Banken und Versicherer auf jeden Fall vermeiden wollen, um massive Abschreibungen zu verhindern.

Die Haltung der Kanzlerin zu den Risikobewertern wird vom liberalen Koalitionspartner nicht geteilt. Der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, verteidigte vielmehr das Verhalten von Standard & Poor's in der Griechenland-Krise. „Man sollte die Bedenken und Kritik der Ratingagenturen nicht vorschnell verteufeln, sondern versuchen, diese konstruktiv aufzugreifen und bei der Ausgestaltung der Rettungsmechanismen zu berücksichtigen“, sagte Wissing Handelsblatt Online. „Man kann aber schlecht das Verhalten der Agenturen in der Subprime-Krise verteufeln und als Konsequenz daraus fordern, dass diese bei Griechenland fünf gerade sein lassen sollten.“ Der Markt brauche unabhängige Ratings. „Und unabhängig heißt eben manchmal auch unbequem.“

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hält es dagegen für unangemessen, das Modell zur Beteiligung privater Gläubiger am Griechenland-Hilfspaket als Zahlungsausfall des Landes zu werten. Gerade die US-Ratingagenturen hätten vor der Finanzmarktkrise als Frühwarnsystem und bei der Einschätzung von Risiken versagt. Wenn diese nun notwendige Hilfsmaßnahmen für Griechenland zusätzlich erschwerten, zeuge das von mangelnder Verantwortung, meinte der CSU-Politiker.

Derweil wollen sich Spitzenbanken aus der Eurozone nach Informationen der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ an diesem Mittwoch über ihre Beteiligung an den Griechenland-Hilfen abstimmen. Wie die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, kommen die Banken-Vertreter in Paris zusammen. Es gehe darum, die Bedingungen für ein längeres Engagement der Institute festzuschreiben. Umstritten sind nach den Angaben Zinsen und Laufzeiten einer Anschlussfinanzierung für die Milliarden-Schulden. Die Politik fordert von den Banken einen Beitrag zur Rettung Griechenlands vor der Pleite.

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  • Ja, sie aht gut gelernt bei Honecker.
    Der hätte seien helle Freude an ihr. Sie hat algut aufgepaßt während ihrer vielen Jahre in der FDJ und ihrer polit. Reisen nach Moskau
    Und so was hat Kohl ungeprüft in unsere Partei gelassen und hochgepäppelt, dafür müßte der heute senile Alte noch bestraft werden
    Das ist ein größeres Verbrechen als seine Spendenaffäre

  • Ganz einfach: das deutsche Volk wird dumm gehalten dafür sorgt schon das TV

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