Griechenland-Krise
Bosbach und die Prinzipienfrage

In der Union formiert sich Widerstand gegen weitere Hilfen für Griechenland. Angeführt von CDU-Mann Wolfgang Bosbach. Seine Rücktritts-Drohung hat Wellen geschlagen – für seine klare Kante gibt es im Netz viel Beifall.
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DüsseldorfIn der CDU brodelt es: Angesichts der stockenden Verhandlungen der internationalen Geldgeber mit Griechenland schwindet bei CDU und CSU die Geduld mit der Regierung in Athen. „Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die griechische Regierung wirklich Schaden von ihrem Volk abhält“, sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU). Vor allem wächst der Widerstand in der Regierungsfraktion gegen weitere Hilfen für den Krisenstaat.

Losgetreten hatte den Prinzipienstreit Wolfgang Bosbach in der Sendung von Günther Jauch, am Dienstag legte der CDU-Innenexperte noch einmal nach: „Ich glaube, dass wir das allermeiste Geld, was wir schon als Kredite gegeben haben, niemals werden wiedersehen.“ Deshalb wolle er kein weiteres Rettungspaket für das hoch verschuldete Land.

Sollte Kanzlerin Angel Merkel ihre Parteifreunde dennoch zur Abstimmung darüber zwingen, will Bosbach klare Kante zeigen. Deutschland würde schon seit Jahren „in eine Rettungsgemeinschaft gepresst, mit verheerenden Folgen für die Sparerinnen und Sparer“, sagte der Innenexperte bei Jauch. Wenn in den kommenden Monaten weitere Milliardenzahlungen beschlossen würden, sei „der Weg in die Transferunion nicht mehr zu bremsen“ - obwohl seine Partei im Wahlkampf das Gegenteil versprochen habe. Er würde daher „persönliche Konsequenzen“ ziehen, wenn er gezwungen wäre, zwischen seiner Überzeugung, gegen die er „nie und nimmer“ abstimmen würde, und der Loyalität zur Bundeskanzlerin und seiner Parteivorsitzenden zu wählen.

Für diese klaren Worte wird der CDU-Mann Bosbach von vielen der Netzgemeinde gefeiert:

Wolfgang Bosbach ist recht häufig zu Gast bei Günther Jauch. Dies blieb dem Publikum natürlich nicht verborgen. So kommt bei aller Lobhudelei weder Kritik noch Humor zu kurz:

Die derweil entscheidende Frage im Griechenland-Poker lautet: Grexit – ja oder nein? Hier scheiden sich allerdings die Geister – auch jene führender Ökonomen. Noch läuft der Verhandlungspoker – Ende offen. Damit ist auch das politische Schicksal von Wolfgang Bosbach noch nicht entschieden.

Alex Schneider
Alex Schneider
Handelsblatt Online / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Bosbach und die Prinzipienfrage"

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  • Das "Kind" GR liegt doch längst im Brunnen und der Bruch der Maastricht Regeln haben das Desaster nur fociert.
    Von seiner Größe und Wirtschaftskraft für die EU im Grunde unbedeutend, aber ein Schlüssel für weitere Staaten die den Bürgern eine Verelendung verordnet haben, damit es weiterhin genügend Gewinner gibt.
    Diese Gefahr verhindert das Ausscheiden aus dem Währungsverband nicht, GR ist dann immer noch EU Mitglied.
    Und mal ehrlich; was der Länderfinanzausgleich innerhalb Deutschlands, ist die Unterstützung von Staaten innerhalb der EU.
    Heute war auf n-tv zu lesen, dass die "Ostländer" klagen wenn der LF Ausgleich zu ihrem Nachteil geändert wird.
    Nichts anderes beabsichtigen doch die Griechen.
    Nun kann das Eine kaum richtig sein, wenn das Andere falsch ist.

  • Es gab einige Wenige, die in der Vergangenheit nicht nach Parteilinie, sondern im Auftrag ihrer Wähler abgestimmt haben.
    Diesen Abgeordneten gebührt Respekt.
    Für alle anderen gilt: Jetzt "umzufallen" ist keine grosse Kunst mehr.

    Es war lange bekannt, wie die Bevölkerung zu der Sache steht.
    Wer in vergangenen Abstimmungen "ja" gesagt hat und nun plötzlich "nein" sagt, ist nichts als ein Wendehals und gehört entsprechend behandelt. Die Abstimmungsergebnisse können eingesehen werden.

  • ... der Herr Bosbach kann sich eine eigene Meinung leisten , weil er direkt gewählt ist und auch keine Parteiämter mehr anstrebt. Wären nicht noch andere Umstände da , hätte die Partei ihn längst kaltgestellt.
    Die anderen Parteisklaven (Abgeordneten) handeln auf Anweisung !

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