Griechenland-Krise
Warum ein Euro-Austritt naiv und unverantwortlich wäre

Die Griechenland-Krise setzt die Politik unter Handlungsdruck. Am Donnerstag sollen Entscheidungen fallen. Wäre ein Euro-Austritt des Landes ein gangbarer Weg? Ein Kölner Forschungsinstitut rät davon eindringlich ab.
  • 18

DüsseldorfIn der Diskussion um Griechenland-Hilfen hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) die Politik vor falschen Entscheidungen gewarnt. Da sich die Lage an den Finanzmärkten „gefährlich verschärft“ hat, müsse vermieden werden, dass die Risikoprämien der großen Euro-Staaten weiter steigen. „Daher ist eine  harte Umschuldung Griechenlands mit Haircuts ein zu gefährlicher Weg, so hilfreich sie für das Land und so nötig sie zur Einbeziehung privater Gläubiger sein mag“, sagte der IW-Experte für internationale Wirtschaftspolitik, Jürgen Matthes, Handelsblatt Online. „Rating-Downgrades der großen Eurozonen-Staaten könnten die Folge sein, auch wenn diese fundamental nicht zu rechtfertigen wären“, warnte der Ökonom und fügte hinzu: „Bei derartigen Ansteckungseffekten drohte die Krise aus dem Ruder zu laufen und in eine systemische Finanzkrise zu münden, die noch gravierender sein dürfte als die jüngste Post-Lehman-Krise.“

Denn das Engagement der europäischen Banken in Italien und Spanien sei sehr groß, so Matthes. Pauschale Forderungen nach einer harten Umschuldung oder einem Austritt aus der Euro-Zone, wie sie von manchen Ökonomen oder von Teilen des Bundestages zu hören sind, ignorierten diese „immensen Gefahren und sind daher als naiv und unverantwortlich zu bewerten“. Selbst eine freiwillige Schuldenstreckung könne nicht substantiell sein und werde daher auch keinen nennenswerten Beitrag zur Entlastung Griechenlands leisten können.

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hatte zuvor für einen Euro-Austritt geworben, indem er vor einer Umschuldung Griechenlands als Teil der Eurozone warnte. „Bleibt Griechenland danach Mitglied in der Währungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung bei der EZB vertrauen, ist das Ende der Währungsunion eingeläutet“, sagte Issing der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Griechenland wird seine Schulden nicht bedienen können. Simulationen, die etwas anderes zeigen, beruhen auf unrealistischen Annahmen. Ein massiver Schuldenschnitt ist also unvermeidlich.“ Wenn Griechenland aber nach einer Umschuldung im Euroraum bleiben dürfe, hätte dies fatale Signalwirkung, warnte er.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, lobte die Ausführungen Issings als „absolut richtig“. Zugleich forderte das FDP-Bundesvorstandsmitglied Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) auf, sich für einen Ausschluss des Mittelmeerstaates aus der Währungsunion einzusetzen. „Eine Umschuldung Griechenlands muss mit einem Angebot verbunden werden, die Euro-Zone vorübergehend zu verlassen, um die eigene Währung abzuwerten“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Dies ist der einzig sinnvolle Weg, um kurzfristig die Wirtschaft preislich wieder wettbewerbsfähig zu machen.“

Seite 1:

Warum ein Euro-Austritt naiv und unverantwortlich wäre

Seite 2:

Anleihen-Aufkauf als einzige Lösung?

Kommentare zu " Griechenland-Krise: Warum ein Euro-Austritt naiv und unverantwortlich wäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Bundesbürger nähert sich dem Generalstreik.
    "Naiv und unverantwortlich" handelt die politische Klasse offensichtlich seit Jahrzehnten; zudem nicht demokratisch legitimiert.
    Wir nähern uns dem Ende der "Berliner Republik".

  • Schaut Euch die drei Affen von der SPD an. Marshall-Plan, Ratingagenturen ignorieren??? Fehlt denen eine Schraube? Oder wollen die den Irrsinn auf die Spitze treiben? Brauchen wir jetzt in GR sechsspurige Autobahnen um die Oliverbäume zu umkurven? Soll jetzt VW von Wolfsburg nach Athen getragen werden um dort Arbeitsplätze zu schaffen? Wohlstand auf Pump und Exportüberschüsse auf Pump, die Zeiten sind vorbei.

  • Auch mal hier nachlesen:

    http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/frankreich-faellt-als-stabilitaetsanker-aus-473423/

    Letztlich soll dann alles an uns hängen bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%