Griechenland
Merkels Basta kommt zu leise - und zu spät

Angela Merkel versucht, die Debatte über eine Griechenlandpleite an sich zu ziehen. Doch die Mahnung der Bundeskanzlerin wird verpuffen. In der Politik und an den Märkten. Ein Kommentar.
  • 22

Die Kanzlerin neigt nicht zu Schnellschüssen. In einer Koalition der Schnellredner ist das eigentlich auch gut so – in der Griechenland-Debatte jedoch fatal.

Seit Sonntag laufen Gerüchte durch Berlin, die Regierung sei so weit, eine geordnete Insolvenz Griechenlands in Kauf zu nehmen. Mehr noch, sie bereite sich aktiv darauf vor. Von Angela Merkel ist dazu nichts zu hören.

Dafür überbieten sich die kleinen Koalitionspartner mit Schnellfeuer-Aussagen: na klar, ein Bankrott des Schuldenstaats dürfe kein Tabu sein, nichts sei ausgeschlossen, lieber ein Ende mit Schrecken, tönt es aus der FDP und CSU. Und es sind nicht die Hinterbänkler, sondern die Parteichefs Seehofer und Rösler, die sich mit diesem Geplapper am Montag hervortun.

Die Kanzlerin schweigt. Die Märkte reagieren. Der Deutsche Aktienindex fällt kurzeitig unter die Marke von 5000 Punkten. Der Euro sackt auf 1,36 Dollar. Bankwerte stürzen europaweit. Merkel schweigt.

Erst heute morgen, inzwischen haben US-Präsident Barack Obama und Japans Premier Noda ihre Sorgen zu Protokoll gegeben, meldet sich die Kanzlerin – mit einem wohlformulierten, aber deutlichem „Basta“.

Ja, die Gefahr eines Übergreifens des griechischen Virus auf andere Länder sei groß, stellt sie klar. Und weiter:

„Deshalb sollte jeder seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht brauchen können ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon groß genug.“

Selbst das Klischee, dass Märkte vor allem Psychologie seien, fehlt nicht.

Wie wahr. Genau aus diesem Grund hätte die Kanzlerin längst dafür sorgen müssen, dass ihre Koalitionspartner und erst recht ihre Minister mit einer (besser noch: keiner) Stimme reden. Merkels Kritik richtet sich gegen den Vizekanzler, Wirtschaftsminister und FDP-Parteichef Philipp Rösler – doch trifft sie in erster Linie die Kanzlerin. Die Geschwätzigkeit der Kollegen war ein Fehler, ihr eigenes Schweigen auch.

Denn die Kanzlerin gibt die Richtung an. Und in der Sache liegt sie gar nicht soweit von den Dampfplauderern entfernt.

Seite 1:

Merkels Basta kommt zu leise - und zu spät

Seite 2:

Der Staatsbankrott ist möglich. Geordnet oder ungeordnet.

Kommentare zu " Griechenland: Merkels Basta kommt zu leise - und zu spät"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Zeitzeuge: ...nur zum Bierreinkippen...gut formuliert!traurig weil wahr, aber doch sehr unterhaltsam !

  • ich lese gerade beim Kopp Verlag, daß Griechenland zig Millionen aus dem EU-Rettungsfonds für einen Groß-Moscheebau ausgeben will - ich habe keine Worte mehr

  • Hoffentlich schweigt sie bald öffentlich für immer.

    Sie kann ja privat weiterreden, wenn sie vom Amt zurückgetre-
    ten ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%