Griechenland-Rettung Mehr Zeit für Athen sorgt für Kopfschütteln

Dass die Eurogruppe Griechenland mehr Zeit zum Sparen gewähren will, schmeckt nicht nur dem IWF nicht. Auch in Berlin sorgt die Entscheidung teilweise für Kopfschütteln. Im Bundestag formiert sich Widerstand.
Update: 13.11.2012 - 14:19 Uhr 33 Kommentare
Akropolis in Athen. Quelle: ap

Akropolis in Athen.

(Foto: ap)

BerlinIn der Debatte um einen Sanierungsaufschub für Griechenland wächst das Risiko, dass ein wichtiger Geldgeber aussteigt. Darauf deutet der Verlauf der Eurogruppensitzung von Montag auf Dienstag hin. Nach dem Treffen brach bei einer Presskonferenz zwischen dem Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, offener Streit über die Frage aus, ob die Ziele für den Abbau der griechischen Schulden gelockert werden sollen. „Wir haben Meinungsverschiedenheiten, wir arbeiten daran, wir versuchen sie zu lösen“, sagte die IWF-Chefin.

Juncker hatte als Zieldatum für den Schuldenabbau auf 120 Prozent der Wirtschaftskraft 2022 genannt, Lagarde bestand auf dem Jahr 2020. Berechnungen der EU-Kommission zufolge steigt Athens Schuldenstand aber von fast 177 Prozent in diesem Jahr auf knapp 189 Prozent im Jahr 2014.

Unklar ist, ob der IWF, der rund ein Drittel der seit 2010 an Griechenland vergebenen Kredite in Höhe von insgesamt 148,6 Milliarden Euro vergab, angesichts der Differenzen die Griechen-Rettung weiter unterstützen wird. Über den Konflikt soll nach Angaben Junckers bis zum 20. November eine Einigung erreicht werden. Das betreffe auch die Frage, wie eine Finanzierungslücke gefüllt werden kann.

Allerdings stellte sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegen den IWF und dessen Forderung, statt den Griechen mehr Zeit zu geben, ihnen Schulden zu erlassen. Es gebe die Debatte, sagte Schäuble am Dienstagmorgen in Brüssel. Aber für die meisten Länder der Euro-Zone sei das durch die nationalen Gesetze ausgeschlossen. „Wir sollten uns ohne zu spekulieren auf andere Lösungen konzentrieren“, stellte Schäuble auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Kollegen Pierre Moscovici klar.

Noch deutlicher äußerte sich der CDU-Chefhaushälter Norbert Barthle. Mit Blick auf die Forderung des IWF nach einem zweiten Schuldenschnitt unter Beteiligung des öffentlichen Sektors sagte er Handelsblatt Online: „Das machen wir nicht mit und damit kommt ein solcher Schuldenschnitt auch nicht.“

Nach Ansicht des Finanzexperten der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, offenbare der Streit zwischen Lagarde und Juncker, dass die Euro-Retter die „dramatischen Verluste“ der öffentlichen Hand nicht mehr lange verstecken könnten. „Der Troika-Report bewegt sich inhaltlich zwischen Horrorgeschichte und Fantasy-Roman“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Der Bundestag muss nun verhindern, dass die Bundesregierung den Report durchs Parlament peitscht.“ Ein drittes Griechenlandpaket sei „reine Geldverschwendung“.

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33 Kommentare zu "Griechenland-Rettung: „Zwischen Horrorgeschichte und Fantasy-Roman“"

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  • Grüne: Grosse sympathie für Nachsicht gegenüber Griechenland? Hier wird sinnlos Steuergeld verschleudert. Man kann nur noch sagen: Wer hat unseren Wohlstand verraten? Grün- und Sozialdemokraten. Frage: Wie will man das den Steuerzahlern, Rentnern, Auszubildenden, Arbeitnehmern verkaufen? Das Geld kommt von der Bank?

  • Und es formiert sich Widerstand im Bundestag?
    Da darf aber gelacht werden
    In der Volkskammer formiert sich kein Widerstand, denn da wird alles abgenickt was die große Staatsratsvorsitzende sagt.
    Europa wurde von unseren Politikern zerstört und sie begreifen es immer noch nicht in ihrer Ideologie und ihrem Fanatismus

  • ...warum heißt es immer "Griechenland-Rettung" ?

    In Wahrheit zwingt man Griechenland zur Selbstzerstörung.

    Gleichzeitig werden die Forderungen "notleidender" ausländischer Milliardäre gerettet.

    Denn "die Märkte" verlangen es. Es ist "alternativlos".

  • Griechenland aus der Eurozone, Drachme einführen und abwerten und alles ist in Butter. Wieso wertet man eigentlich nicht den Euro ab, würde die Wettbewerbsfähigkeit gegen über den andern Staate erhöhen. Und die EZB reguliert die Inflation. Aber die Deutschen brauchen natürlich eine harte Währung, wo käme man da hin.

  • Eurodesaster
    was erwarten Sie denn von so einem Dummschwätzer wie dem Koppelin?
    Wenn ich den schon höre, kriege ich Pickel

  • Sorry, wenn ich das einmal ganz einfach so sage. Der angebliche Widerstand im Bundestag ist doch nur Getue fürs dumme deutsche Volk.
    Letztendlich wird doch bezahlt.
    Und ja, alle dies das hier im Forum sagen, haben Recht. Man hätte Griechenland schon sehr lange zurückkehren lassen müssen zur Drachme. Das wäre ehrlichr gewesen und die Griechen hätten sich auch besser und schneller erholen können.
    Aber dann hätten die Banken verloren und genau dasd wollte man nicht. Das alles ist doch ohnehin nur eine Rettung der Banken. Nicht ein einziger Grieche ist gerettet worden
    Merkel und ihr Euro-Fanatismus wird ganz Europa ins Unglück stürzen.
    Und was hat denn die Trulla v. d. L. in Italien zu suchen? Gehen jetzt die Arbeitsminister auch auf Reisen auf unsere Kosten?

  • Der GRöSSTE Fehler ist ,dass der Deutsche Dummmichel immer
    noch die fundamentalistischen Parteien wählt .

    Garantiert ist 2013 wieder Merkel oder Steinbrück gewählt.

    Damit geht das Euro-Chaos in die nächste Runde.

    Deutschland muss endlich raus aus dem Schulden-Euro.

    Dies ist die realistische Lösung u.kein WENN oder ABER.

    Deutscher Dummmichel willst DU für die ausländischen
    Bankrotteure ins Gras beissen .

    Sollen Griechen u. die anderen Bankrotteure doch ins Gras beissen !


    Amen

  • "Es geht darum, den Griechen zu helfen", betonte Koppelin. Dies sei auch im Interesse Deutschlands und seiner Exporte.“

    Die Griechen wollen mehrheitlich diese Hilfe nicht, Herr Koppelin.
    Und das Argument mit den Exporten können sie auch stecken lassen:
    Auf diese Art Exporte, die wir letztendlich selbst bezahlen (s.Target2), können wir verzichten.
    WO ist bitte der Vorteil für das deutsche Volk, dass Sie vertreten sollen?

  • @mkn
    „Die Zahlungen dienen nur dazu, die Zinsen zu bedienen, davon kommt nichts bei der Bevölkerung an oder ist irgendetwas investiv wirksam.“

    Das wird auch so bleiben. Denn die griech. Gewerkschaften sind sehr mächtig. Sie betrachten jede Investition in GR als GRIECHISCHE Investition. Das bedeutet, dass dem potentiellen Investor sofort klar gemacht wird, was ihn erwartet – bestimmen wird nicht er, sondern die Gewerkschaft. Fragen Sie mal ehemalige Investoren, z.B. Textilunternehmer, was sie in GR erlebt haben.
    Es wird hier in GR auf absehbare Zeit keine nennenswerten Investitionen geben, denn die Gewerkschaften wollen das verhindern.
    Ich kann es nicht anders sagen – die Griechen sind eigentlich europafeindlich. Ihr Verhalten ist äußerst ambivalent – einerseits bewundern sie die Europäer, allen voran die Deutschen, andererseits empfinden sie die Europäer als Bedrohung und schotten ihren Markt – bisher sehr erfolgreich – ab.
    Deswegen werden sämtliche Hilfsmaßnahmen verpuffen.
    Was hilft, ist ausschließlich eine eigene Währung, die abgewertet werden kann. Sobald die Griechen mit dem auskommen müssen, was sie selbst erwirtschaften, werden die Reformen von allein kommen. Aber dann kommt es von ihnen selbst, nicht von Fremden. Das ist sehr wichtig.
    Jetzt aber läuft alles falsch. Die Hilfszahlungen bewirken das genaue Gegenteil. Wir fördern ein korruptes System und vernichten den Leistungswillen.
    Und ganz nebenbei zeigen unsere Politiker uns und den anderen europäischen Bürgern, wie herzlich egal wir ihnen sind.

  • Auch in Berlin sorgt die Entscheidung teilweise für Kopfschütteln. Im Bundestag formiert sich Widerstand.
    (Zitat)
    Nicht möglich – teilweise wackelt bereits der Kopf und es formiert sich „dar ob“ Widerstand? Damit ist doch nicht etwa wirklich der „Bundestag“ gemeint. Mit dem Kopf wackeln schon- aber Widerstand? -kennen die doch gar nicht- was das ist?
    „Wir sollten uns ohne zu spekulieren auf andere Lösungen konzentrieren“, stellte Schäuble auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Kollegen Pierre Moscovici klar.

    Es sind also jetzt nur andere Lösungen gefragt. Bis diese gefunden sind, sind die zwei Jahre längst um aber „BUM“ machte es sicherlich schon viel früher.

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