Griechenland
Staatskasse bleibt trotz Steuererhöhungen leer

Von 100 Euro Steuerausstand zahlen die Griechen nur noch 45 Euro. Das geht aus Erhebungen des Internationalen Währungsfonds hervor. Ein Teufelskreis, der sich längst nicht nur mit Steuerhinterziehung begründen lässt.

AthenDie Griechen schulden ihrem Staat aktuell rund 87 Milliarden Euro an Steuern. Dies geht aus Erhebungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor, wie am Sonntag die Athener Tageszeitung „Kathimerini“ berichtete. Gleichzeitig haben in letzter Zeit vor allem Staatsbeamte den frühzeitigen Gang in den Ruhestand beantragt, um den geplanten Rentenkürzungen durch die Reform der Regierung Tsipras zuvor zu kommen.

Rund 40.000 Rentenanträge seien bisher eingegangen, bis zum Jahresende könne die Zahl noch auf bis zu 80.000 steigen, schrieb „Kathimerini“. Die griechische Regierung hatte in den Verhandlungen mit den Gläubigern des Landes eine Art Bestandsschutz für bestehende Rentenzahlungen ausgehandelt. Rentenkürzungen sollen demnach erst im Laufe der kommenden Jahre tatsächlich in Kraft treten.

Das Ausmaß der Steuerschuld wiederum habe andere Ursachen, hieß es in dem Bericht. In jedem Fall sei es ein europäischer Rekord: Von 100 Euro Steuerausstand zahlten die Griechen demzufolge nur noch 45 Euro – ein Wert, der seit dem Beginn der Krise im Jahr 2010 stetig weiter sinke, obwohl viele Steuern erhöht worden seien.

Der Teufelskreis der Steuerschuld liegt demnach längst nicht nur in Steuerhinterziehung begründet. So seien griechische Steuerbehörden bei der Eintreibung nach wie vor ineffizient. Auch hätten viele Menschen schlicht gar kein Geld mehr, um ihre Steuerschulden zu begleichen.

87 Milliarden Euro entsprechen in etwa der Hälfte der derzeitigen griechischen Wirtschaftsleistung. Der IWF wolle mit den Zahlen seine Haltung untermauern, dass Griechenland ohne einen Schuldenschnitt nicht wieder auf die Beine kommen könne, schrieb „Kathimerini“. Einen solchen Schnitt, bei dem Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen verlieren, soll es nach den bisherigen Vereinbarungen nicht geben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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