Griechenland und die Flüchtlingskrise: Tumulte an griechisch-mazedonischer Grenze

Griechenland und die Flüchtlingskrise
Tumulte an griechisch-mazedonischer Grenze

Ausnahmezustand im Grenzgebiet: Hunderte verzweifelte Flüchtlinge stürmen Bahntrasse und Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien. Die mazedonische Polizei setzt Tränengas ein, um die Menschen zu stoppen.
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AthenEskalation der Flüchtlingskrise in Griechenland: Hunderte verzweifelte Migranten haben am Montag versucht, den Zaun an der griechisch-mazedonischen Grenze zu stürmen und in das Nachbarland durchzubrechen. Zwischen Idomeni und Gevgelija rissen sie mit einfachen Werkzeugen Teile des von Mazedonien errichteten Grenzzauns nieder.

Eine Öffnung des Tores gelang den Migranten aber nicht. Die mazedonischen Grenzpolizisten setzten massiv Tränengas gegen die Flüchtlinge ein, die sich daraufhin teils in Panik auf griechischem Territorium zurückzogen.

Etliche von ihnen klagten anschließend über Atemwegsbeschwerden, wie Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur sagten. Die griechische Polizei hielt sich aus Angst vor einer Eskalation zurück. Am frühen Nachmittag beruhigte sich die Lage etwas. Allerdings schleuderten junge Migranten Steine über den Zaun auf die mazedonische Polizei und beschimpften die Beamten.

Auslöser des versuchten Durchbruchs war dann nach Medienberichten ein Gerücht, wonach Mazedonien angeblich seine Grenze wieder für alle Migranten geöffnet habe. „Frei, frei, wir können rüber“, schrie ein Flüchtling im griechischen Fernsehen. Allerdings stimmte das nicht.

Die Flüchtlingskrise belastet Griechenland zunehmend. Im Stadtzentrum von Athen schlafen Hunderte Flüchtlinge im Freien, darunter Familien mit Kleinkindern.

In Nordgriechenland kam es zu einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft. Unbekannte zündeten am Wochenende zwei Lagerhallen in Nordgriechenland an, die zu Unterkünften für Flüchtlinge umgebaut werden sollten. Die ehemals vom griechischen Militär benutzten Hallen in der Kleinstadt Giannitsa seien fast vollständig zerstört worden, berichtete das griechische Fernsehen am Montag.

„Mehr als 100.000 werden (bald) in Griechenland stecken bleiben“, fürchtet bereits die Athener Zeitung „Eleftheros Typos“. Andere Medien gehen sogar von 200.000 aus. Zahlreiche Militärs seien aus dem Urlaub zurückgerufen worden, berichtete „Eleftheros Typos“ am Montag. Mehr als 25.000 Migranten „irren im Land“ herum, mit der Hoffnung – obwohl die Balkanroute über Mazedonien geschlossen ist – weiter zu kommen, schrieb das Athener Boulevardblatt „Ethnos“.

In der vergangenen Woche hatte die Regierung in Skopje eine restriktive Grenzregelung beschlossen. Afghanen wurden grundsätzlich nicht mehr nach Mazedonien gelassen, Iraker und Syrer wurden einer verschärften Kontrolle ihrer Personalpapiere unterworfen. Bislang war der Großteil der in Griechenland eintreffenden Flüchtlinge umgehend Richtung Nordwesteuropa weitergereist.

Mazedonien ließ am Sonntag lediglich 305 Flüchtlinge weiterreisen, wie die griechische Polizei mitteilte. Allein am weitgehend abgeriegelten Übergang Idomeni warteten 6500 Menschen. Weitere 500 seien in einem kurzfristig errichteten Camp rund 20 Kilometer entfernt untergebracht.

Wegen der verschärften Grenzregelungen auf der Balkanroute rechnet Athen damit, dass im März zwischen 50.000 und 70.000 Menschen in Griechenland „festsitzen werden“, sagte der für Migrationsfragen zuständige Vize-Innenminister Ioannis Mouzalas am Sonntag dem Sender Mega. Zur Zeit hielten sich „22.000 Flüchtlinge und Migranten“ in Griechenland auf, sagte Mouzalas.

Und es kommen immer neue Flüchtlinge: In der Hafenstadt Piräus trafen am Montagmorgen an Bord von drei Fähren mehr als 2000 Migranten ein. Sie hatten zuvor von der türkischen Küste aus zu den griechischen Inseln übergesetzt. Nach Zählungen des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR setzen in der vergangenen Woche täglich weiterhin rund 3000 Flüchtlinge von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln über.


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