Griechische Forderung nach Entschädigung
CDU-Außenpolitiker schlägt Kompromiss mit Athen vor

In Deutschland mehren sich Stimmen, die die griechischen Reparationsforderungen nicht als erledigt ansehen. Ein CDU-Außenpolitiker schlägt einen Kompromiss vor, um den Streit zwischen Berlin und Athen zu beenden.
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BerlinDer Obmann der Unions-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, hält ein Entgegenkommen Deutschlands im Streit mit Griechenland über Reparationszahlungen für erlittene Schäden im Zweiten Weltkrieg für möglich. Juristisch betrachtet seien die Reparationsforderungen für ihn zwar seit den deutschen Reparationszahlungen 1960 und der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags, den Griechenland ohne Einsprüche in der Pariser Erklärung aus dem Jahr 1990 anerkannt habe, abgeschlossen. „Dennoch könnten wir in geschichtspolitischen Debatten hinterfragen, ob wir den seit 2014 existierenden deutsch-griechischen Zukunftsfonds zum zivilgesellschaftlichen Austausch und Dialog verstärkt finanziell unterstützen sollten“, sagte Kiesewetter dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Der CDU-Politiker warnte jedoch zugleich davor, finanzielle Entschädigungsfragen in den Fokus geschichtspolitischer Debatten zu rücken. „Das könnte sich kontraproduktiv auf das geschichtspolitische Bewusstsein jüngerer Generationen in Deutschland auswirken.“

Gleichwohl sei festzustellen, dass die an der griechischen Bevölkerung begangenen Verbrechen des NS-Staats von 1941 bis 1944 unentschuldbar seien. „Wir sollten jeglicher Interpretation vorbeugen, die versucht, die deutschen Gräueltaten mit Hinweisen auf die gleichzeitige italienische und bulgarische Besatzung Griechenlands zu relativieren.“ Zudem müsse zwischen rechtlichen Interpretationen und moralischer Schuld unterschieden werden.

Der vom Auswärtigen Amt (AA) eingerichtete deutsch-griechische Zukunftsfonds hat im September vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen. Mit einer Million Euro jährlich ausgestattet sollen die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zur historischen Aufarbeitung der Weltkriegsereignisse gefördert werden.

Ziel ist es laut AA durch die Finanzierung einzelner Projekte eine „gemeinsame deutsch-griechische Erinnerungskultur“ zu schaffen und gegenüber den Opfergemeinden Zeichen der Versöhnung zu setzen. Die bislang nur wenig umfangreiche Forschung zur gemeinsamen Geschichte soll demnach ausgebaut werden. Zudem seien Beiträge zum Erhalt der jüdischen Gemeinde in Griechenland, vor allem in Thessaloniki, geplant.

Kommentare zu " Griechische Forderung nach Entschädigung: CDU-Außenpolitiker schlägt Kompromiss mit Athen vor"

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  • Ich fürchte von diesen keiner - vielleicht Schäuble aber bestimmt nicht "Mutti" ... so los jetzt mit den Shitstorm :-)

  • Mein Vater kommt aus Ostpreußen und von 9 Kindern haben es nur 4 in den Westen geschafft. Gräuel an Deutschen ist ja nicht schlimm .... Massenvergewaltigungen, Exekutionen, Kinder die erschlagen wurden, Rheinwiesenlager, etc.

  • Es wird spannend zu sehen, welche Politiker noch genug Eier in den Hosen haben, um bei ihrem "NEIN" zu bleiben!

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