Grippe-Gipfel
Politker und Ärzte streiten um die Impfung

Nach dem peinlichen Durcheinander zu Beginn der Grippe-Schutzimpfungen wollen die Politiker aus Bund und Ländern nun Klarheit schaffen: Minister Rösler empfängt seine Kollegen zum Grippe-Gipfel in Berlin. Derweil wirft der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission ungeimpften Ärzten „Verantwortungslosigkeit“ vor.
  • 2

HB BERLIN/OSNABRÜCK. Im Vorfeld des Grippe-Gipfels der Gesundheitsminister aus Bund und Ländern gibt es Streit im Lager der Ärzteschaft: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat nicht gegen die Schweinegrippe geimpften Ärzten und Pflegern Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Ein nicht geimpfter Arzt laufe Gefahr, „Patienten nicht zu heilen, sondern krank zu machen“, sagte der Stiko-Vorsitzende Friedrich Hofmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dies gelte auch im Fall einer sogenannten subklinischen Infektion, also wenn der Betroffene selbst keine Symptome feststelle. Auf das Urteil der Ständigen Impfkommission stützt sich das Robert-Koch-Institut bei seinen Impf-Ratschlägen, die es im Auftrag der Bundesregierung erteilt.

Hofmann verteidigte auch das Impfen mit einer Vakzine, die Wirkverstärker enthält: „Von Impfstoffen gegen Papillomaviren wissen wir, dass solche Stoffe wesentlich breiter gegen Verwandte des ursprünglichen Erregers wirken“, betonte er. Und bisher habe noch jedes Grippevirus Nebenformen entwickelt. Außerdem lasse sich durch den Einsatz von Wirkverstärkern wesentlich mehr Impfstoff in kürzerer Zeit gewinnen. Der Mangel an Wirkstoff werde aber „mindestens bis Ende des Monats anhalten“.

Unterdessen ermahnt die Bundesärztekammer die Hersteller des Impfstoffs dazu, das Serum wie vereinbart zügig zu liefern. Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte am Mittwoch im rbb-Inforadio: „So wie diese uns immer daran erinnern, dass wir den Vertrag erfüllen müssen über 50 Millionen Impfdosen, muss man sie daran erinnern, dass sie den Impfstoff auch liefern müssen.“ Außerdem stellte er die Frage, ob es klug war, in jedem Bundesland ein anderes Verteilungsverfahren durchzuführen. „Das sollte man bundeseinheitlich harmonisieren“, sagte er.

Schließlich warb er dafür, die Impfbereitschaft der Bevölkerung weiter zu verstärken. Die Verunsicherung könne er gut verstehen. „Wir machen das erste Mal diese Impfung mit einem neuartigen Impfstoff. Und immer, wenn etwas das erste Mal ist, fragen die Menschen zurecht nach der Sicherheit.“ Der Impfstoff habe nicht in der Intensität getestet werden können wie die alten Impfstoffe.

Beim zweiten Mal werde alles leichter.

Nach dem zögerlichen Start der Impfaktion gegen Schweinegrippe wollen Bund und Länder nun versuchen, die Probleme gemeinsam in den Griff zu bekommen. Am heutigen Mittwoch gegen 13 Uhr empfängt Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler seine Länderkollegen zu einem Impfgipfel in Berlin. Über das Ergebnis des Treffens wollen Rösler und die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die thüringische Gesundheitsministerin Heike Taubert, im Anschluss informieren.

Thema des Gipfels sind die ersten Erfahrungen der Bundesländer mit der Impfung. Auch wollen die Gesundheitsminister erörtern, wie die Lage vor Ort aussieht und wie möglichen Schwachstellen in der Versorgung der Bürger begegnet werden kann. Außerdem sehen die Länder die Notwendigkeit sich abzustimmen, wie man zum Beispiel mit Schulen oder Kindergärten umgeht, in denen viele Schweinegrippefälle auftreten.

Kommentare zu " Grippe-Gipfel: Politker und Ärzte streiten um die Impfung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Woanders geht es auch anders. Mit meinem Wohnsitz in Finnland kann ich erleben wie eine wohlorganisierte impfaktion aussehen kann. basierend auf Empfehlungen aus dem bereich der Pandemieeingrenzung wurde hier zunächst das Personal des Gesundheitswesens geimpft. Letzte Woche wurden impfungen für Risikogruppen gestartet, also Personen bei denen der Virus gefährliche Auswirkungen haben kann. Als nächstes werden kleine Kinder und dann Schüler geimpft. Der Rest der bevölkerung kommt nach momentanen Vorhersagen erst im Januar an die Reihe, was von der internationalen Verfügbarkeit der impfstoffe abhängt. ich kann auch nur kopfschüttelnd die Position von Vertretern des Gesundheitswesens beobachten. Nicht nur ist die Weiteransteckung z.T. an Personen die zu Risikogruppen gehören verantwortungslos als auch das allgemeine Funktionieren des Gesundheitswesen falls es zu einem Epidemieausbruch kommt und als erstes die ungeimpften Ärzte und Pfleger ausfallen. Wer soll denn dann diese Arbeit übernehmen?

  • Woanders geht es auch anders. Mit meinem Wohnsitz in Finnland kann ich erleben wie eine wohlorganisierte impfaktion aussehen kann. basierend auf Empfehlungen aus dem bereich der Pandemieeingrenzung wurde hier zunächst das Personal des Gesundheitswesens geimpft. Letzte Woche wurden impfungen für Risikogruppen gestartet, also Personen bei denen der Virus gefährliche Auswirkungen haben kann. Als nächstes werden kleine Kinder und dann Schüler geimpft. Der Rest der bevölkerung kommt nach momentanen Vorhersagen erst im Januar an die Reihe, was von der internationalen Verfügbarkeit der impfstoffe abhängt. ich kann auch nur kopfschüttelnd die Position von Vertretern des Gesundheitswesens beobachten. Nicht nur ist die Weiteransteckung z.T. an Personen die zu Risikogruppen gehören verantwortungslos als auch das allgemeine Funktionieren des Gesundheitswesen falls es zu einem Epidemieausbruch kommt und als erstes die ungeimpften Ärzte und Pfleger ausfallen. Wer soll denn dann diese Arbeit übernehmen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%