Grönland
Merkels Klimawandel-Reise erhitzt Gemüter

Die Kanzlerin schippert durch die Fjorde. Um den Klimawandel persönlich in Augenschein zu nehmen, reiste Angela Merkel jetzt nach Grönland – und sorgte genau damit für Empörung.

HB BERLIN/ILLUSISSAT. Die Eisberge ziehen vorüber. In den unterschiedlichsten Formen, manche mit gezackten Kanten, andere eher abgerundet, teilweise wie kleine Gebirge aussehend, manche sogar wie eine kleine eigene Bergwelt. Es war zuerst vor allem ein überwältigendes Naturerlebnis, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag bei ihrer Schiffstour auf dem Eisfjord im westgrönländischen Ilulissat bot.

Je tiefer sich die kleine Flotte - mit Merkel und Umweltminister Sigmar Gabriel im Boot „Smila“ an der Spitze - in den Fjord bewegte, desto mehr Eisberge waren zu sehen. Und diese Beobachtung führte dann auch zu dem eigentlich Grund der Reise der Kanzlerin: Den Klimawandel in Grönland in Augenschein zu nehmen.

Doch mit ihrer Reise machte sich die Kanzlerin nicht nur Freunde. Ein PR-Gag, schimpfte die Opposition. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte: „Die Reisegruppe Merkel/Gabriel wird im schmelzenden Grönlandeis nicht das finden, das sie am dringendsten bräuchte: die politische Entschlossenheit zum konsequenten Handeln gegen den Klimawandel. Die Reise ist eine Flucht in die Inszenierung.“ Nötig wäre stattdessen „solides politisches Handwerk, um die Hindernisse für eine Klimapolitik ohne Wenn und Aber an dem Ort zu überwinden, wo das nur geht: zu Hause“.

Auch FDP-Chef Guido Westerwelle warnte: „Natürlich ist es immer richtig, wenn die Kanzlerin ins Ausland reist, aber es ist ein historischer Fehler, die Umweltpolitik auf Symbolik zu beschränken.“ Die Regierung sollte sich lieber fragen, „wieso auf dem G8-Gipfel alle anderen Regierungen auf den Ausbau der Kernenergie setzen und nur Deutschland einen schwarz-rot-grünen Sonderweg beschreiten soll“, sagte Westerwelle.

Merkel selbst verteidigte sich gegen Kritik. „Sich vor Ort ein Bild zu machen, hat noch nie geschadet“, sagte Merkel am Donnerstag nach ihrer Landung im westgrönländischen Ilulissat. Nur dann könne man auch die Menschen gewinnen, um mit „Elan und Tatkraft“ gegen die Folgen des Klimawandels vorgehen zu können.

Grönland gilt als eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebiete. Nach Untersuchungen der US-Weltraumbehörde NASA verliert die Insel derzeit 220 Quadratkilometer Eis pro Jahr - doppelt so viel wie noch 1996. Die Experten des Weltklimarats (IPCC) gehen davon aus, dass nur noch weniger als 15 Jahre bleiben, um das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds zu verhindern.

Merkel kehrt am Freitag nach Deutschland zurück. Zuvor unternimmt sie noch einen Rundflug über die Eiskappe Grönlands, um sich ein Bild von den großen Abschmelzungsprozessen von der Insel zu machen. Von Seiten der Bundesregierung wurde betont, auch im zweiten Halbjahr 2007 werde der Klimaschutz einer der Schwerpunkte der deutschen Politik sein. So soll es auch im Anschluss an die Uno- Generalversammlung eine weitere Begegnung von Unterhändlern der führenden Wirtschaftsnationen der Welt und aufstrebenden Schwellenländer wie China und Indien geben. Damit will die deutsche G8-Präsidentnschaft den weltweiten Klimaschutzprozess vor der Konferenz in Bali weiter vorantreiben.

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